Erneuter Völkermord durch deutschen Beamtenstaat
Die steile These des größten Links-Intellektuellen, den das deutschsprachige Namibia je hervorgebracht hat, Dr. Henning Melber, 1950 in Westdeutschland geboren, 1967 mit seinen Eltern nach Namibia ausgewandert, immer beklatscht durch Stasi-Versteher aus Kreisen der Linkspartei, dass weiter eine Relativierung der deutschen Kolonialgeschichte stattfinde würde, dass die tiefenpsychologischen Wurzeln offengelegt werden müssten, die es ermöglichen würden, die Kolonialgeschichte nach wie vor relativierend darzustellen — so wie das auch eine Zeitlang im Umgang mit dem deutschen Faschismus geschehen sei, wo der Hinweis auf die Hitlerschen Autobahnen und die Verringerung der Arbeitslosigkeit letztlich das Verbrecherische des Naziregimes verdeckt hätten, erhält nun leider neue Nahrung. Unbemerkt von der deutschen Öffentlichkeit wurde nun ein weiterer Völkermord durch die Beamten Kaiser Wilhelms II., unter Kanzlerschaft von Theobald von Bethmann Hollweg, deutscher Reichskanzler von 1909 bis 1917, aus dem Dunkeln der Kolonialvergangenheit ausgegraben, und das ausgerechnet von einem amerikanischen Professor aus Vermont, der gar das Phänomen “Genozid-Amnesie” entdeckt haben will.
Noch vor der deutschen Presse exklusiv in der Allgemeinen Zeitung vom 27. April:
… Robert Gordon, Professor der Anthropologie an der Universität von Vermont, spricht in seinem Vorwort zu Dieckmanns Buch von “Genozid-Amnesie”. Der Völkermord, den er meint, sei ein noch viel boshafterer als der umstrittene von 1904 an den Herero – weil man ihn vergessen habe, weil er unsichtbar gemacht worden sei. Historiker hätten die frühe Geschichte der Hai//om-Buschleute bisher fast völlig ignoriert, ja selbst Vertreter dieser Volksgruppe wüssten kaum noch von dem Unrecht, das an ihren Vorfahren begangen wurde.
Gordon zitiert aus dem Tagebuch des Schutztrupplers Günther Walbaum, der 1914 mit einer Gruppe von 60 Soldaten in den Grootfontein-Bezirk entsandt wurde, um sich dem Problem aufsässiger Buschleute anzunehmen. Seine Instruktionen lauteten, ,,wenn möglich nicht zu viele (Buschleute) umzubringen”. Walbaum berichtet, wie er sich mit seiner Truppe an eine Gruppe von Hai//om anschlich und sie umzingelte, ,,so wie man es bei Wild macht”. Die Buschleute waren gerade dabei, Wurzeln auszugraben. Als sie den Hinterhalt entdeckten, gelang zehn oder 12 Personen die Flucht. Ein gewisser Falckenburg und ein Eingeborener erschossen zwei von ihnen, er selbst, Walbaum, habe sein Ziel ,,leider verfehlt”.
Ein weiteres Zitat aus dem Tagebuch des Schutztrupplers offenbart die grausamen Methoden, wie mit aufsässigen Buschleuten – manche von ihnen wurden verdächtigt, weiße Siedler getötet zu haben – umgegangen wurde. Nachdem sie blutig geschlagen wurden, fesselte man sie nackt an einen Baum und setzte sie eine Winternacht hindurch der Kälte aus. Morgens um 8 Uhr suchte man ,,die richtigen Bäume”, an denen ,,die Schurken” dann kurzerhand erhängt wurden.
Ute Dieckmann widmet sich in ihrem Buch “Hai//om in the Etosha Region – A History of Colonial Settlement, Ethnicity and Nature Conservation” als erste Wissenschaftlerin ausführlich der Geschichte der Hai//om-Buschleute der Etoscha-Region. Ihre Studie umfasst einen Zeitraum von fast eineinhalb Jahrhunderten und untersucht die Auswirkungen der Kolonialgeschichte sowie späterer politischer Entwicklungen auf Landrechte und das Selbstverständnis der Hai//om-Buschleute als ethnische Gruppierung.
Gordons These vom Völkermord an den Hai//om greift Dieckmann dabei nicht etwa plakativ auf, sondern berichtet faktisch, auf Archivmaterial, Feldstudien und zahllose Interviews gestützt, von demographischen, sozialen, politischen und Zeitgeist-Elementen, die die Geschichte der Buschleute über einen Zeitraum von mehr als 150 Jahren mitbestimmten. …







Sa, Apr 28, 2007
Dossier Die Linken, Genozid