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Die Owambo — Sachsen sind ihre Brüder

Sa, Apr 21, 2007

Dossier Gesellschaft

Im Deutschen Kolonial-Lexikon, ins Web gestellt durch ein Forschungsprojekt der Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg Frankfurt am Main, der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft, ist eine äußerst aufschlussreiche Preziose nachzulesen.

Die Owambo seien nicht nur das einzige völlig despotisch regierte Volk innerhalb des ehemaligen Schutzgebietes D-Sü. Aus der Klasse der vor der Masse bevorzugten Adligen würden Häuptlinge hervorgehen, während neben dem Adel auch eine Art von Priesterkaste vorhanden sei.

Der Häuptling sei Herr über Leben und Tod, er sei zugleich der alleinige Besitzer allen Gutes im Lande. Mit der Gewöhnung an einen alles beherrschenden Willen stehe die Arbeitswilligkeit der Owambo entschieden in Zusammenhang.

Diese und die verhältnismäßig große Volksdichte des Ambolandes sei andererseits wieder die Ursache dafür, daß sich in neuerer Zeit eine Art von Sachsengängerei unter den Owambo ausgebildet hätte. So suchen sie selbst entfernte Teile des ehemaligen Schutzgebietes auf, um sich als Arbeiter zu verdingen.

Welche Lehre beihaltet das für uns heute — non sais, oder wie würden das die Bergdamara noch einmal ausdrücken? Und diejenigen Oshiwambo-sprechenden Namibier, die den folgenden Text als unbotmäßige Aufdringlichkeit interpretieren, die seien mit den anderen, durchaus größeren Werken deutscher, auch Selbst-, Kritik aus gleicher Epoche vertröstet — in Deutschland daheim, in der Welt zu Hause, die schmerzhafte Genauigkeit dieser Skizzen menschlicher Abgründe ist auch immer gegen sich selbst unerbittlich, das sei zur zur Verteidigung dieser hinzugefügt. Also nicht persönlich nehmen, bitte, auch ihr Comrades, seht es sportlich im Sinne der fortschreitenden Aufklärung, die diese Phase herzloser, fast autistischer Neugierde Gott sei Dank hinter sich gebracht hat.

Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Ovambo, Band II, S. 696 f.

Ovambo (hierzu die Tafel 66: Kultur der Hottentotten, Herero, Ovambo und Bergdamara), Hereroname für die Bewohner des Ambolandes im Norden von Deutsch-Südwestafrika.

  • Sie selbst nennen sich Aajamba = “die Reichen”, im Gegensatz zu den armen Herero.
  • Sie bewohnen indessen nicht nur das unter deutscher Oberhoheit stehende Gebiet zwischen dem 19° s. Br. und dem 14. und 18° ö. L., sondern ihr Gebiet reicht noch weit in die portugiesische Kolonie Angola hinein.

Das Volk zerfällt in eine ganze Anzahl von Stämmen, deren für unsere Kolonie wichtigster, die Ondonga (s.d.) oder Aandonga, als Hauptvertreter desselben gelten kann. Auch ist dieser Stamm ethnologisch am besten bekannt.

  • Die O. gehören, wie die Herero (s.d.), der Bantufamilie an, sind aber kleiner als jene. In Lebensweise und Charakter standen sie indessen von jeher in scharfem Gegensatz zu ihnen.
  • Der Natur ihres Landes entsprechend widmen sie sich vorwiegend dem Ackerbau, so daß die Hacke ähnlich wie im tropischen Afrika als das Hauptwerkzeug dieses Volkes gelten kann. Auch die wichtigsten Ackergewächse, das Sorghum, ferner Hirse (Pennisetum) und die Bohnen erinnern an die in Zentralafrika verbreiteten Kulturen. Mais wird dagegen wenig gebaut.
  • Gegen die Ackerkulturen tritt die Viehzucht stark zurück, auch ist die heimische Rinderrasse kleiner und bei weitem weniger ausdauernd als das Hererorind. Die an persönliche Zuneigung grenzende Wertschätzung des Hornviehs, die den Herero auszeichnete, kennt der Owambomann nicht.

Dagegen zeichnen sie sich vor den übrigen Eingeborenen des Schutzgebiets durch den Betrieb von Gewerben aus, von denen namentlich das Schmiedehandwerk erwähnt werden muß.Der Stamm der Ovakuanjama widmet sich ganz besonders dieser Beschäftigung, während die Ondonga in der Kupferbearbeitung (s. Otavi) Hervorragendes leisten.

  • Auch die Töpferei wird von einigen Stämmen betrieben. Die zierlichen Messer mit den seltsam geformten, breit geflügelten Scheiden (s. Tafel 66 Abb. 6, s. auch unten) sind ein Erzeugnis dieser Industrie. Erzeugnisse des Handwerks, besonders eiserne Perlen, Messer usw. sind Gegenstände eines ehemals bis weit in das Hereroland betriebenen Handels.


  • Ein Gemeingut sehr vieler Bantustämme ist die Klimper (s. Tafel 66 Abb. 16, s. auch unten), die Sansa der Westafrikaner, die Ulimba mancher Ostafrikaner. Der bei den O. übliche Typ gleicht den übrigen Vorkommnissen vollkommen; nur insofern hat er etwas Besonderes, als unter jeder Metallzunge, dem freien Ende nah, je ein Harzklümpchen befestigt ist, das allem Anschein nach die Tonhöhe beeinflussen soll.


  • Die Werften, in denen bei den südlichen Stämmen die Hütten kreisförmig um den in der Mitte liegenden Kraal angeordnet sind, sind wie eine Festung von Palisadenzäunen umgeben und nur durch enge Gänge zugänglich. Sie werden alle paar Jahre verlegt, und damit wird eine zu starke Inanspruchnahme des Ackerbodens vermieden.

Schicke Werften in Google Earth angezoomt:

  • Aus 670.34 Meilen Augenhöhe.

  • Aus 181.40 Meilen Augenhöhe. Ja, das ist die Etoschapfanne.

  • Aus 180.44 Meilen Augenhöhe. Komische Muster bis tief in Angola.

  • Aus 92.97 Meilen Augenhöhe. Die Muster sehen aber nicht mehr nach Natur aus!

  • Aus 29.24 Meilen Augenhöhe. Das sind unzweifelhaft Homo Sapiens ;-)

  • Aus 22.92 Meilen Augenhöhe. Whow.

  • Aus 15.68 Meilen Augenhöhe. Dörfer? Aah, Werften.

  • Aus 8.53 Meilen (45047 Fuß) Augenhöhe. Und was für schicke es gibt!

Weiter im Deutschen Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 696 f.

Der Charakter des Volkes ist in einer nicht unwichtigen Beziehung besser geartet als derjenige der Herero. In sittlicher Beziehung stehen sie nach Aussage ihres besten Kenners, des Missionars Rautanen, weit über jenen. Dagegen sind auch sie diebisch und unterscheiden sich von dem stolzen und selbstbewußten Herero früherer Zeiten wieder zu ihrem Nachteil durch eine ins Kriecherische ausartende Unterwürfigkeit gegenüber dem Mächtigen.

Auch ihr Verhältnis zum Häuptling ist ein ganz anderes, denn die O. sind das einzige völlig despotisch regierte Volk innerhalb unseres Schutzgebietes. Aus der Klasse der vor der Masse bevorzugten Adligen gehen die Häuptlinge hervor, während neben dem Adel auch eine Art von Priesterkaste vorhanden ist.Der Häuptling ist Herr über Leben und Tod, er ist zugleich der alleinige Besitzer allen Gutes im Lande. Mit der Gewöhnung an einen alles beherrschenden Willen steht die Arbeitswilligkeit der O. entschieden in Zusammenhang. Diese und die verhältnismäßig große Volksdichte des Ambolandes sind andererseits wieder die Ursache dafür, daß sich in neuerer Zeit eine Art von Sachsengängerei unter den O. ausgebildet hat.

So suchen sie selbst entfernte Teile des Schutzgebietes auf, um sich als Arbeiter zu verdingen. In den nördlichen Verwaltungsbezirken, vor allem aber in dem Diamantengebiet an der Südküste, werden O.arbeiter in steigender Zahl verwendet; während aber im Norden die Leute vielfach mit Weib und Kind zusammenleben, sind in den Küstengegenden fast nur männliche Arbeiter, anzutreffen.

Literatur: H. Schinz, Deutsch-Südwestafrika. Lpz. 1891.

Sachsengängerei, Old Location. Honecker, Nujoma. Aikona …

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