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Verrückte Adelige in Namibia

Fr, Okt 10, 2008

Dossier Gesellschaft, Namibische Medien

Die Gemüter an den Café-Theken von Wecke & Voigts und Woerman & Brock  in Windhoek wollen sich überhaupt nicht mehr beruhigen angesichts der Missetaten des Prinzen Christian zu Hohenlohe-Langenburg, der zur Zeit in Rehoboth vor Gericht steht.  Wie wohl die Mehrheit an den Stammtischen steckt Doro Grebe den Prinzen sogar in einen Topf mit Dr. Kuno von Plocki und ist sich nicht zu schade, in der AZ (siehe Beitrag unten)  gar genetische Mängel bei erst kürzlich zugereisten, blaublütigen „Von und Zus“ aus Deutschland zu konstatieren.

Sie vergisst wohl, dass Namibia schon immer ein Land war, an das der deutsche Adel gerne seine schwarzen Schafe ausgegliedert hat und somit ein nicht unbeträchtlicher Teil des “Südwester”-Genoms eben blaublütig ist. Dazu kommen die hunderte Offiziere aus preußischem Adel, die als Schutztruppen-Offiziere nach Südwest-Afrika vor und während der Hererokriege kamen. Exemplarisch sei der leicht verrückte, sächsische Artillerie-Offizier Hansheinrich von Wolf erwähnt, der das Schloss Duwisib mitten in der Pampa errichten ließ. Oder Curt von François.

Also, ruhig Blut, solch schlichte Verallgemeinerungen sind billig, wie schnell hat man da seine eigenen Verwandten beleidigt! Zumal es höchst unglücklich ist, den tragischen von Plocki-Fall mit einem Toten in einem Atemzug mit den einfach nur durchgeknallten Prinzen-Taten zu erwähnen.

Blaues Blut und Namibia scheint nicht wirklich eine gute Kombination zu sein. Welchen anderen Schluss soll man sonst aus der schier unglaublichen Geschichte des Prinzen Christian zu Hohenlohe-Langenburg ziehen, der angeblich bis zu 1000 geschützte Bergzebras niedergemetzelt haben soll. Warum drängt sich der Gedanke auf, dass betuchte „Von und Zus“ aus Deutschland irgendwie ein Faible für Namibia, für Schusswaffen und Rumgeballere haben?

Zu Hohenlohe ist ja nicht das einzige Blaublut, der hierzulande für übelste Magenverstimmungen sorgt. In dieser Woche steht ein weiterer, extrem unsympathischer Typ – wohl eher ohne Rang, dafür mit Namen – in Windhoek vor Gericht: Dr. Kuno von Plocki, der den jungen Jagdführer Jörg Seefeld beim Herumspielen mit einem Gewehr erschossen haben soll.
Offenbar bringt ein noch so unbedeutender Adelstitel eine gewisse Arroganz mit sich, die den Träger von der Einhaltung von Recht und Gesetz, aber auch von moralischen Grundsätzen befreit – kaum verwunderlich, dass zu Hohenlohe in Windhoek schon seit längerem nicht gerade den besten Ruf hat.
Leider ist Namibia schon zu lange dafür verschrieen, ein Sammelbecken für Kriminelle oder wirre Typen zu sein – dieses schlechte Image ist schädlich. Und deshalb ist jenem Farmer nur zuzustimmen, der über Hohenlohe rigoros sagte: „So ein Kerl gehört nicht in unser Land.“
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2 Antworten auf “Verrückte Adelige in Namibia”

  1. Doro sagt:

    Da finde ich doch tatsächlich meinen Kommentar auf dieser Seite – die ja für entspannte Leute in Namibia und Südafrika sein soll. Genau, da zähle ich doch auch dazu. Sorry, wenn sich jemand auf den Schlips getreten fühlt. Kommentare müssen eben provozieren, hat dieser ja wohl getan. Dass von Plocki natürlich der weitaus tragischere und dreistere Fall ist, steht außer Frage, habe ich auch nie bestritten. Dass ich ‘ne Stammtischmeinung vertrete, bestreite ich schon eher…denn die Stammtische setzen sich doch bei uns gemeinhin auch aus Nachfahren der Von und Zus Zusammen…da die ja überall im Land herumschwirren! In diesem Sinne: Ein gutes neues Jahr!

  2. Der/die/das Namibier-in sagt:

    Hi Doro,

    ja, Deine Kommentare in der AZ sind in der Tat belebend und ja, auch immer intelligent. In diesem Sinne auch Dir ein frohes neues Jahr und weiterhin eine produktive und spitze Feder!

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