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Als ob die Deutschen weniger rassistisch gewesen wären

Do, Okt 12, 2006

Dossier Deutsche Medien, Südwester

Fernsehkritik zu “Was heißt denn hier deutsch?” (Fernsehdoku von Wolf von Lojewski) in “die taz” aus Wessiland, tiefstes Westberlin, ehemals Kochstraße gegenüber von Checkpoint-Charlie, jetzt Rudi-Dutschke-Straße [sic], vom 10.10.2006, Seite 18, von Dominic Johnson, der Artikel ist auch hoffentlich immer noch online erreichbar unter http://www.taz.de.

… Ironische Distanz schimmert da durchaus durch, und auch an vielen anderen Stellen. Ausgesprochen wird sie aber nicht. Dafür wird die Geschichte schöngeredet. Namibia “war Teil eines Traums vom größeren Deutschland”, so Lojewski. Die Deutschen eroberten das Land in einem “Anfall von Panik und Übermut”, und später kamen “die weißen Südafrikaner mit ihrem Fanatismus der Rassentrennung” – als ob die Deutschen weniger rassistisch gewesen wären. Vom Völkermord an den Herero erfährt man erst im zweiten Teil, eher beiläufig. In Großbritannien oder Frankreich wäre eine so unkritische Analyse der eigenen Kolonialgeschichte zur besten Sendezeit heute undenkbar.

Mangels Kritik greift die Spurensuche gezielt daneben. Keiner der vielen interviewten Deutschen wird in den eigenen vier Wänden gefilmt – die Ungleichheit der Lebensverhältnisse zwischen Schwarz und Weiß bleibt ausgespart. Von Rassismus wird nie gesprochen, von der wirtschaftlichen Dominanz der Weißen auch nicht. Namibia ist bloß “eine Weite und Einsamkeit, in der wir nur Staub aufwirbeln, unsere Spuren aber verwehen”.

Hätte Lojewski diese Spuren woanders gesucht als im Folklorischen, hätte er sie gefunden. Aber dann wäre dieser Film nicht so sehenswert, wie er es aufgrund seiner schräg-ironischen Bildaufbereitung doch noch ist.”

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