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Der Genitiv ist dem Südwester-Deutschen sein Tod

Fr, Mrz 7, 2008

Dossier Südwester

Jetzt haben schon so viele Oukies darüber gesprochen und es versprochen, aber immer noch hat keiner Ernst gemacht. Also, hier sind die Anfänge des ersten Dictionaries für Südwesterdeutsch seit Joe Pütz das „Dikschenärie“, ein humoristisches Wörterbuch namibisch-deutscher Ausdrücke, Redewendungen und grammatikalischer Eigenheiten, „allenfalls eine Glossensammlung“, Anfang der 80er veröffentlicht hatte. Mehr soll das hier auch nicht werden.

Das Südwester-Deutsch (oder Südwesterdeutsch, was ist nun richtig?) ist laut Wiktionary eine deutsche Mundart, die sich seit Beginn der ersten Ansiedlungen im frühen 19. Jahrhundert auf dem Gebiet des heutigen Namibia über die Jahre herausgebildet hat und sich durch eine gewisse Vereinfachung sowie die Übernahme vieler Wörter unter Anderem aus dem Afrikaans, dem Englischen und den Bantu-Sprachen auszeichnet.
Auf Wikipedia gibt es schon ein moersche Sammlung, aber die muss mos politisch korrekt sein, deshalb könnt ihr hier sommer loslegen ohne zu worrien! Ich habe die Einträge dort einfach per Copy und Paste hier eingefügt — irgendwie muss mos der Anfang gemacht werden. 
Schickt Eure Beiträge bitte an namibier ät gmail punkt com. Sänks, aber bitte immer mit lekkeren Beispielen, sonst wird das zu flou! Also, lekker jollen!
Abkürzungen:
adv: Adverb; interj: Interjektion; konj: Konjunktion; m: Artikel männlich; pl: Plural; s: Artikel sachlich; subst: Substantiv; v: Verb; w: Artikel weiblich
  • A
abkommen (v.)
1. Wasser führen (von Rivieren). 
2. (Wetter, Wind, Luftzug, Sturm, etc.) Aufkommen, aufziehen.

Alte (w.)

(NICHT abfällig)
1. (altersunabhängig) (feste) Freundin; Lebensgefährtin. 
2. Mädchen oder Frau.

Alter (m.)

(NICHT abfällig)
1. (meistens) Ehemann.
2. (altersunabhängig) Fester Freund.

anbellen (v.)

(Afrikaans om te bel und Niederländisch aanbellen oder bellen) (per Telefon) anrufen.

anders (adj.)

Komisch, seltsam. Das is aber ‘ne andere Story: Das ist ja eine seltsame Geschichte.

aussortieren (v.)

Etwas besprechen.
  • B

Baas (m.)

1. Herr, Chef, Boss.
2. Landwirt einer Farm.
3. Redeweise Sein Baas: der Beste, (jmd) kennt sich aus. Der morscht* so vielNamDollars. Der is moets (= wahrscheinlich, möglicherweise, bestimmt) Geld sein Baas!

Bakkie (m.)

(afrikaans) Geländewagen mit Ladefläche (Pick Up), Pritschenwagen.

bedonnert (adj.)

(afrikaans bedonerd) erbost, verärgert; verrückt.

besser auch (Redew.)

(afrikaans beter ook) 1. Es wäre besser, wenn…, zu empfehlen, notwendig. 2. Redew. …du besser auch: mach das ja so und nicht anders, sonst… 3. (Drohung). Wer trifft wen? Besser? (Wortspiel; Buchtitel von Marga Vaatz, Windhoek, 1989.)

biekie oder bikkie (adv.)

(afrikaans bietjie) Ein wenig, ein bisschen, etwas.

bleddy (adv.)

(englisch bloody) Verflucht, beschissen, Scheiß-.

Bokkie (s.)

(afrikaans)
1. Allgemeine Bezeichnung für Ziegen und Schafe.
2. (NICHT abfällig) (feste) Freundin;

Braai [braɪ] (m.)

(afrikaans) 1. das Grillen, Barbecue. 2. Redewendung Braai oder (afrikaans braaivleis)Braaifleisch: Grillfleisch, Gegrilltes. 3. Bratrost, Grill.

braain [braɪn] (v.)

(afrikaans braai) Grillen; rösten, braten.

Brack (m.)

(norddt., afrikaans) Hund; abwertend Köter, Töle.

Buschveld oder Buschfeld (s.)

(afrikaans bosveld) Busch; Savanne.
  • C
  • D

Damm (m.)

(englisch) Wasserreservoir, Stausee.

Dämpers (subst. pl.)

(afrikaans (skok)dempers) Stoßdämpfer.

Deutschländer oder Jerry, Gerry (m.)

Deutscher.

Donga (w.)

Tiefer Schlot natürlichen Ursprungs.

Drankwinkel (m.)

(afrikaans) Spirituosengeschäft, Getränkeshop.
  • E

eingeben (v.)

(wahrscheinlich beeinflusst durch englisch to hand in) etwas (vor allem Prüfungen, Aufsätze) abgeben, einhändigen; (manchmal) (Anträge) einreichen.

erinnern (v.)

(nicht reflexiv, Anglizismus) Redew. Ich erinner, du erinnerst, er, sie, es erinnert, etc.: Ich erinnere mich, du erinnerst dich, er, sie, es erinnert sich, etc. Erinnerste noch? – Die guten alten Zeiten! - Ich erinner noch, wie wir von Swakop aus bei Sonnenschein zur Beach (= zum Strand) gingen und bei trüben Wetter raus in die Dünen der Namib fuhren. (s. wundern.)
  • F

fangen (v.)

(englisch to catch) Ertappen, erwischen. Ich schlich mich ins Haus und wurde doch von meiner Frau gefangen.

festkehren [fɛstkɛ:ʀn] (v.)

(afrikaans vaskeer) 
1. In die Enge treiben, aufhalten, zusammentreiben. 
2. Stoppen, verhindern.

fischen (v.)

(englisch to go fishing) Redewendung Fischen gehen: angeln.

Futsek! [futsɛk] (interj.)

(afrikaans „voertsek“) (Ausruf) Verschwinde!, Hau ab!, Verzieh dich!, Geh zur Hölle!
(Synäretisch eigentlich aus Voort sê ek! = „Fort, sag ich!“.)
  • G

gehen (v.)

(afrikaans gaan) (Dient zur Bildung des Futurs) Werden. Ich geh morgen meinen Storch* wiedersehen.
Gerry (m.)  [dscherrie]
Deutscher.
  • H

händeln (v.)

(englisch to handle)
1. Hantieren; zurecht kommen; kompetent sein.
2. Redew. Nicht händeln: nicht vertragen können.

Heck (s.)

(norddt., afrikaans hek Tor, Farmtor; Gatter.
  • I

Ist das? oder Isses?

(afrikaans Is dit?) Stimmt’s?
  • J

jobben [dschobben] (v.)

1. Funktionieren, klappen.
2. (englisch „to do a job“) Arbeiten, einer Beschäftigung nachgehen. – Redew. Overtime jobben: Überstunden schieben.

Junge (m.)

(englisch boy) (altersunabhängig) Farmarbeiter.
  • K

Kack (m.)

(afrikaans ek fang n kak) 
Redew. Einen Kack fangen: sich ärgern, die Nase voll haben, keine Lust haben, sich langweilen, überdrüssig sein.

kalben (v.)

Kaputt gehen, den Geist aufgeben.

Kamp (s.)

(englisch)
1. Lager.
2. Eingezäuntes Weideland.

Klippe (w.)

(afrikaans klip)
1. Stein.
2. Felsen; Gestein.

Klippetjies (w. pl.)

(afrikaans Verkleinerungsform von klip) 
Diamanten.

Kombi (m.)

Kleinbus.
(Das im deutschsprachigen Europa umgangssprachlich „Kombi“ genannte Fahrzeug, nennt man in Namibia Stationwagon.)
  • L

lekker oder lecker (adv.)

(afrikaans)
1. Schmackhaft, gut, schön (nicht nur auf den Geschmack bezogen), amüsant.
2. Redew. Lekker schlafen: eine gute Nacht wünschen; gut, angenehm schlafen. – Redew.Lekker slaap!: Schlaf gut!, gute Nacht!
3. Redew. Lekker Pad!: gute Fahrt!

Lorrie (w.)

(englisch lorry) Lastwagen.
  • M

mall (adj.)

(norddt., afrikaans) Verrückt, verärgert, böse.

Manga (s.)

(bras. Port. mangueira „großes Gehege für Rinder“) Eine Gerätschaft oder Apparatschaft, in die man ein Rind einklemmt. Diese ermöglicht dem Farmer (meist) medizinische Behandlungen durchzuführen, ohne dass sich das Rind dabei wehren und somit vielleicht verletzen kann.
(Dieser Lusitanismus drang mit den portugiesisch sprachigen Einwanderern aus Angola und Mosambik in den „namibischen“ Gesamtwortschatz. Es gehört zu den „namibischen“ Sprachuniversalien aller in Namibia gesprochenen Sprachen. Nicht verwechseln mit dem neudeutschen Manga.)

Morro-tse! (interj.)

(afrikaans môre „Morgen“, nama tse „gut“) Guten Morgen!

mors (adv.)

(afrikaans) adverbiale Redewendung In mors: kaputt.

morschen (v.)

(afrikaans mors) Verschwenden; quälen, misshandeln.
  • N

Naafi oder Nafi (m. und w.)

(englisch abgekürzt für no ambition and fuckall interest) Person, die keinen Ehrgeiz und keinerlei Interesse für irgendetwas entwickelt.

net oder nett [nät] (adv.)

(afrikaans) Nur.

nochall (konj.)

(afrikaans nog al) Nämlich, aber.

Nüffel (m. und w.)

Kind, junges Schulkind. (s. Stift.)
  • O
Oukie [œŭki:, ɔŭki:] (m.)
(afrikaans outjie) 1. Junge; Typ, Kerl. 2. Häufig in kollektiven Sinnzusammenhängen für z. Bsp. die Namibier, die Deutschen, die Farmer, etc.
  • P

Pad (w.)

(afrikaans) 1. Pfad, Weg, Straße; Schotterstraße, Piste.
2. (afrikaans op pad) Redew. Auf Pad: auf dem Weg; unterwegs.
3. Fig. Thema. Sich von der Pad abkommen lassen.

Pip (w.)

(norddt.) Pfeife.

Pontok oder Pondok (m.)

(südafrikanisch) Traditionelle Eingeborenenhütte; (i.w.S.) Hütte allgemein.

posten (v.)

(niederländisch/afrikaans posten und englisch to post) Ein Poststück abschicken.

Povian (m.)

1. Pavian.
2. Hundsaffe.
3. (Fig.) Einfältige Person; jmd., der nachäfft.
  • Q
  • R

Ramme (m.)

Widder, ein männliches Zuchttier der Schafe.
(Im Hochdeutschen Ramm, Rammel, Rammer „Schafbock“.)

Regenzeit (w.)

1. Regnerische Periode während des Sommers.
2. meton. Sommer. (s. Trockenzeit.)

Rivier (s.)

(afrikaans) Flusslauf, der zeitweilig auf dem Trockenen liegt; Trockenfluss.

Robot (m.)

(englisch) Verkehrsampel.
  • S

stief [ʃti:f] (adv.)

(norddt, afrikaans) 1. Sehr. – (Emotionale Bewegung aus einem Inneren, von der Tiefe in die Höhe bezeichnend; ein Vorgehen von innen her gelegen) er-, ur-. Stiefgemütlich:urgemütlich, „sehr“ gemütlich. 2. Viel, haufenweise. 3. Schön, hübsch.

Stift [ʃtɪft] (m.)

(dt. Stift „Halbwüchsiger; Lehrling“) Jüngeres Kind; kleiner Kerl.
Stukkie (w.)
(afrikaans:  Stückchen) 
(NICHT abfällig) (feste) Freundin;
  • T 

Trockenzeit oder Kalte Zeit (w.)

Winter. (s. Regenzeit, 2.)

Tüffie (m.)

(früher allg. gebr. südafrik. militärischer Ausdruck Tiffie)
1. veraltend Techniker, Experte, Soldat, Offizier oder  mit technischer oder spezialisierter Ausbildung. - Aspro-Tüffie: Arzt. - Tampax-Tüffie: Sanitäter. - Küchen-Tüffie: Koch.
2. (heute allgemein) Mechaniker.
  • U

Uitlander [œĭtlandər] (m.)

(afrikaans) Ausländer, nicht Bure.
  • V

Varsity (w.)

(englisch für university) Uni.

Veld (s.)

(afrikaans) Buschland, Weideland; Flur, Busch.
(Nicht „Feld“ im deutschen Sinne, sondern das unbebaute, offene Land, also die Flur.)

Vlei oder (hapax) Vley [flɛĭ] (w.)

(afrikaans) geogr. 1. Bodensenke, Pfanne (besonders Salz-Ton-Pfanne). 2. Seichte Vertiefung, die sich manchmal mit Wasser füllt; Trockenteich.
(Besonders in geographischen Eigennamen: Sossusvlei, Dead Vlei, Hiddenvlei. Zur hapaxen Abwandlung Vley, siehe “Roiland der Wanderer“ (1950) von Adolf Kaempffer.)
  • W

warm (adj.)

1. Heiß.
2. Verärgert, erbost.
3. Sexy.
4. (Fahrzeug) Frisiert; sehr schnell.

Wellblech (s.)

1. Gewellte Straßenoberfläche. 2. Gewelltes, verzinktes Blech.

Werft (w.)

(norddt.; afrikaans werf „Grundstück, Höfe oder Hofstelle“)
1. veraltet Von Palisaden oder Schutzwällen umgebenen Wohnstätten der Eingeborenen in Deutsch-Südwestafrika.
2. (analog zu 1.) veraltend Wohnplatz der eingeborenen Farmarbeiter im südwestafrikanischen Mandatsgebiet der Südafrikanischen Union.
3. (erweiternd zu 2.) Siedlung, meist der Farmarbeiter im heutigen Namibia.

Winkel (m.)

(afrikaans) Kleiner Laden.

wundern (v.)

(nicht reflexiv, Anglizismus bzw. afrikaans ek wonder „ich wüsste gern, ob“) Redew. Ich wunder, du wunderst, er, sie, es wundert, etc.:
1. Ich frage mich, du fragst dich, er, sie, es fragt sich, etc. Ich wunder, was wohl heute auf dem TV spielt: Ich frage mich, was heute wohl im Fernsehen läuft. (s. erinnern.)
2. Sich fragen, sich nicht sicher sein, sich seiner Sache unsicher sein. Ich wunder, ob der Oukie* weiß, was er da mit seinem Storch* macht!?!

wüst (adv.)

(intensivierendes Beiwort) Sehr, äußerst; heftig, maßlos.
(Im Hochdeutschen hat es eher die Bedeutung von „wild, verschwenderisch“.)
  • X
  • Y
  • Z

zu (adv.)

(deutsch oder beeinflusst durch afrikaans toe „dumm“)
1. Dumm, blöd. Wie kann man nur so zu sein?
2. Verbohrt, schüchtern, unbeholfen. Sie wusste nicht, was sie tun sollte; zu stand sie da, den Tränen der Verzweiflung nah.
3. Besoffen. Er kam total zu nach Hause.
4. (Nase) Verstopft. Er spricht mit einer zuen Nase.

zünden (v.)

Verstehen, begreifen; kapieren.
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