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Europäer haben Uhren, Afrikaner haben Zeit

Das Manager-Magazin hat wohl angesichts der nahenden Fussball-Weltmeisterschaft eine neue Rubrik eröffnet, den “Business-Knigge Südafrika“, mit bis dato vier doch ziemlich interessanten Artikeln.

Die erheblichen Unterschiede zwischen Boeren, Schwarzen und Engländern werden im ersten Artikel erst einmal ausgeklammert:

In Südafrika trifft man auf eine Gesellschaft, die direkt und formlos kommuniziert: angenehm und höflich, aber gleichzeitig zielorientiert. Am Anfang überwiegen Small Talk und Keep Smiling sowie ein trockener, britischer Humor. Südafrikanische Manager benutzen jedoch eine direktere Kommunikation als zum Beispiel Engländer. Sie schätzen einen freien und unmittelbaren Austausch an Informationen. Der südafrikanische Gesprächspartner will das Geschäft in der Regel zügig über die Bühne kriegen, dabei kann ein Warm-up durchaus auch in einem Restaurant stattfinden. Ihr Partner kommt verhältnismäßig schnell auf den Punkt und legt eher wenig Wert auf Status, Titel, Formalitäten und Protokoll. Er spricht in einer formlosen und direkten Weise, nennt Sie beim Vornamen und ist in seiner Gestik und Körpersprache sehr entspannt. Klare Sprache und eine präzise Darstellung der eigenen Vorstellungen werden hier als Tugend gesehen.

OK, soviel zu der angelsächsisch geprägten Geschäftswelt. Ein Prinz Asfa-Wossen Asserate, Nachfahre des äthiopischen Kaisers Haile Selassie, Berater für Geschäfte in Afrika und Autor des Bestsellers “Manieren”, gibt Hinweise auf speziell schwarz-afrikanische Gepflogenheiten:

Der größte Teil unserer Manieren gilt universell, aber es gibt schon afrikanische Ausprägungen: So gilt das Alter auf dem Kontinent als ehrenwert,vielleicht weil es so wenige Alte gibt. Und während es anderswo zum guten Tongehört, forsch und selbstbewusst aufzutreten, ehrt der höfliche Afrikaner seine Gesprächspartner stets als höherrangig – auch wenn sie es gar nicht sind. Ganz anders als in Asien und Europa sehen Afrikaner den körperlichen Kontakt als Zeichen der Verbundenheit, auch unter Geschäftsleuten. Nach dem Geschäftsabschluss umarmen sie ihr Gegenüber schon einmal.

Wohl wahr. Und, was ich nicht wusste:

Jedes Wort über die Gattin Ihres Gesprächspartners ist eines zu viel. Sagen Sie nichts über ihr Aussehen, machen Sie keine Komplimente, laden Sie sie nicht mit zum Geschäftsessen ein. Die Frau tritt nicht in Erscheinung, es sei denn, sie ist – wie vor allem in Westafrika recht häufig – selbst Geschäftsfrau. Auch dann gilt: nichts Persönliches in der Konversation.

Und dann natürlich die Warnungen über die Pünktlichkeit:

Ich rate jedem Geschäftsmann, dass er sich ein Taschenbuch einsteckt, wenn er zu einem Termin geht. Die Gesprächspartner sind häufig recht unpünktlich. Als ich kürzlich einen Geschäftspartner fragte, warum Afrikaner so gern zu spät kommen, lachte er und sagte: Die Europäer haben die Uhren, aber die Afrikaner haben die Zeit. Allerdings sollten Sie sich nicht alles gefallen lassen. Ich rufe kurz vor
dem Termin an und dränge auf Pünktlichkeit. Manchmal hilft’s.

Und hier noch eine interessante Gegenüberstellung, Deutschland versus Südafrika

  • Fläche
    Südafrika: 1.219.090 km2
    Deutschland: 357.023 km2
  • Bevölkerung (2007)
    Südafrika: 47,6 Millionen
    Deutschland: 82,4 Millionen
  • Bruttoinlandsprodukt (2007)
    Südafrika: 192,3 Milliarden Euro
    Deutschland: 2423,8 Milliarden Euro
  • Exporte
    Deutschland nach Südafrika: 7,1 Milliarden Euro
    Südafrika nach Deutschland: 4,4 Milliarden Euro
  • Expatriates
    Deutsche in Südafrika: 30.000 ständig; 100.000 zeitweilig
    Südafrikaner in Deutschland: rund 5000~
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