Farbige und Neger sind jetzt Schwarze
Die Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD) und der Braune Mob informieren auf ihren Webseiten endlich mal umfassend, wie die empfindlichen Herren und Frauen in Schwarz im Paradies Deutschland bitte schön tituliert werden wollen.
Shit, die sind echt Deutsch durch und durch, Klagen auf hohem Niveau, das ist die deutscheste aller deutschen Macken. Denn merke: “Zu behaupten, es gebe “kaum Rassismus” ist eine der beleidigendsten Aussagen, die man als nicht-Betroffener tätigen kann, weil sie die täglichen Erfahrungen hunderttausender Leute, die das nunmal besonders gut beurteilen können, ignoriert und sich auf anmassende und verletzende Art ‘über’ sie stellt: bei allem was sie mitmachen müssen, wird das nun auch noch bestritten. So etwas ist bestenfalls ignorant.” So ein O-Ton auf dem Braunen Mob unter der Frage, ob man ein Rassist sei.
Man müsste Mugabe und Nujoma auch mal so eine Anleitung für Weißeuropäer in Afrika zuschicken. Nein, Weißeuropäer sind nicht alle schwul, dekadent, demokratisch und verweichlicht, Schwarzeuropäer scheint’s auch …
Aber alles in einem ganz cool, wenn auch etwas von Paranoia durchtränkt. Und don’t forget: “Genauso wenig, wie Weiße nur Schwarze mit Pigmentschwäche sind, sind Schwarze eingefärbte Weiße” [sic auf Brauner Mob].
- Was ist politisch korrekte Bezeichung für Schwarze
Aus den FAQs auf Brauner Mob
Ganz einfach: „Schwarze (Deutsche)“. – Meistens gibt es aber gar keinen Grund, dazu zu sagen, ob jemand Schwarz oder Weiß ist. Es ist höflicher, Menschen danach zu bezeichnen, wer oder was sie sind, nicht wie sie pigmentiert sind. Im persönlichen Gespräch mit Einzelnen ergibt sich vielleicht, dass jemand lieber einen bestimmten abweichenden Ausdruck bevorzugt wie z.B. „afrodeutsch“. Da man grundsätzlich respektieren sollte, wie jemand sich selbst bezeichnet, ist es eine Frage der Manieren, dies auch zu befolgen, „politisch“ korrekt ist allerdings „Schwarze Deutsche“. Schwarz und weiß werden oft groß geschrieben, um zu verdeutlichen, dass es sich um konstruierte Zuordnungsmuster handelt, wie auch in den USA und UK “Black” und “White”.
Hier nur die vom Braunen Mob zur Verfügung gestellten Informationen für Journalisten zu diskriminierungsfreier Sprache:
„Schwarzafrika/Schwarzafrikaner/Schwarzafrikanisch“
© der braune mob e.V. 2008 – www.derbraunemob.info
Der Begriff “Schwarzafrikaner” dient dazu, alle Kulturen und Menschen, die originär in afrikanischen Ländern unterhalb der Sahara beheimatet sind, zusammenzufassen. Da eine solche Zusammenfassung jedoch geografisch und kulturell willkürlich ist, muss zur Beantwortung der Frage, weshalb und wie der Begriff dennoch verwendet wird, der Gebrauch des Wortes in der Sprache betrachtet werden. Dies lässt schnell erkennen, dass der Begriff „Schwarzafrikaner“ vor allem der Stereotypisierung dient:Zum einen verdeckt der Ausdruck die Notwendigkeit, afrikanische Kulturen ebenso wie die europäischen als divers zu verstehen und zu kommunizieren. Die Verwendung von „Schwarzafrikanisch“ ermöglicht es, über Kulturen zu schreiben oder vorzutragen, ohne über diese recherchiert zu haben, und trotz Unkenntnis vielseitige pauschalisierende Deutungen vorzunehmen. Würde keine Unkenntnis vorliegen, so würde etwa differenziert werden, aus welchen Ländern oder Kulturen die betreffenden Personen/Erzeugnisse/Publikationen genau kommen – eine Informationsbeschaffung, die bezüglich europäischer Länder ebenso zumutbar ist wie sie auch eingefordert wird.
Zum anderen fungiert der Begriff „Schwarzafrikaner“im Sprachgebrauch als Rückgriff auf biologistische Rassekonzepte -unter dem Deckmantel politischer correctness, weil vorgeblich auf rassistische Wortwahl verzichtet wird. Die veralteten wie kolonialen Rassetheorien werden im Wortsinn aber unmittelbar fortgeführt: durch die Verweigerung der Zurkenntnisnahme kultureller Diversität der benannten willkürlich konstruierten Gruppe, und durch die große Präsenz der pejorativen Konnotationen, die der Begriff „Schwarzafrikaner“ im sprachlichen und institutionellen Konsens der Mehrheitsgesellschaft de facto birgt.
Fazit: Die Vokabel „Schwarzafrikaner“ ist inhaltlich ebenso unpräzise wie „Weißeuropäer“. Der Begriff besagt weder, von welchem Land noch von welcher Kultur oder Sprache die Rede ist. Der einzige im Wort tatsächlich enthaltene Informationsgehalt ist „richtig schwarze Schwarze“ und damit rassifizierend. Der zunächst verdeckte, aber mit-kommunizierte Informationsgehalt ist, dass es sich um eine homogene Gruppe von Menschen handele, die nicht differenziert benant und behandelt werden muss. Dies sind deutliche Anzeichen für Diskriminierung und hegemoniale Diskursführung.
Aus diesen Gründen raten wir davon ab, in Publikationen den Begriff „Schwarzafrikaner“ zu verwenden.
- Es gibt keine “Farbigen”
© der braune mob e.V. 2008 – www.derbraunemob.info
Dieses sprachliche Relikt aus der Kolonialzeit wurde in Deutschland in den fünfziger Jahren als Ersatzbegriff für das heute als eindeutig rassistisch erkannte „N-Wort“ geläufig, und wird aus Unwissenheit heute noch oft in Medien dafür benutzt, schwarze Menschen im Laufe der Berichterstattung mit einem Adjektiv zu belegen, das speziell das vermeintlich „andere“, „fremde“ beschreiben soll.
Das Selbstbenennungsrecht gebietet, dass abwertende oder diskriminierend konnotierte Zuschreibungen als Bezeichnungen für Menschen nicht gestattet sind. Es liegt in der Sache selbst, dass dies nicht erst von allen Mitgliedern der Mehrheitsgesellschaft erkannt werden muss, um Gültigkeit zu haben.
Um dennoch Orientierungshilfe zu geben, weisen wir darauf hin, dass sowohl der Dachverband “Initiative Schwarze Menschen in Deutschland”, als auch zahlreiche weitere Organisationen, Medienorgane und PublizistInnen sich in dem Punkt einig sind: es gibt keine „Farbigen“.
Zum einen aufgrund der stark kolonialen Konnotationen, zum anderen auch weil “farbig“ impliziert, dass weiß die Norm sei, kann und muß seriöse Berichterstattung auf diese Vokabel als Beschreibung verzichten. Darüber hinaus führt das Wort zu keiner schlüssigen Beschreibung, ausser dass es sich nicht um eine weiße Person handelt, da diese von dieser Zuschreibung ausgeschlossen sind.
In welchem Grad der Abstufung “schwarz” die Hautfarbe einer Person genau ist, ist weder für das Verständnis eines nachrichtenrelevanten Hergangs notwendig, noch besteht dieser Abstufungs-Drang offensichtlich bezüglich aller anderen ethnischen Erscheinungsformen, für die es Euphemismen „rassischer Abstufung“ wie “Farbiger” auch gar nicht gibt, vgl. Pakistanis, Inder, Asiaten, Weiße,… Letztere werden stets als Personen beschrieben und mit Adjektiven bedacht, die sich auf ihr spezifisches Aussehen (füllig, großgewachsen, blond…) beziehen und/oder den Charakter (lebhaft, bodenständig…) anstatt ihrer phänotypischen Merkmale.
Aus Gründen der Professionalität und Demokratie ist geboten, bei Personenbeschreibungen nach dem Gleichheitsprinzip zu verfahren.
Einstufungen und Kategorisierungen nach „rassischen Merkmalen“ (denn darum geht es dabei letztlich; denn anders als „Schwarz“ und „weiß, die soziokulturelle Realitäten bezeichnen, bezieht sich „farbig“ auf eine „biologische“ Einstufung) seitens der Medien sind nicht nur wahllos, sondern haben gefährliche Folgen; nicht zuletzt das Signal, ein konstruierter Phänotyp sei ein Persönlichkeitsmerkmal – eine Verwechlsung, die weiße Menschen hierzulande nicht treffen kann, die aber weitreichende Folgen für die Tradierung von Alltagsrassismus in der Gesellschaft hat.
Die deutsche Unwissenheit im sprachlich gleichberechtigten Umgang mit ethnischen Minderheiten wird dann besonders augenfällig, wenn „farbig“ als Bezeichnung für Schwarze AmerikanerInnen verwendet wird: Vor allem im Hinblick darauf, dass das englische Aequivalent, “coloured(s)”, seit langer Zeit von AfroamerikanerInnen entschieden zurückgewiesen wird, diese Tatsache weithin bekannt ist, und die deutschen Beiträge darüber zumeist sogar den Anspruch haben, Deutschen ein Stück amerikanische Kultur oder Rassismusdebatte nahezubringen, ist es unabdingbar, sich bei diesem Thema zumindest genau so gut zu informieren wie bei allen anderen Themen, in denen Bezeichnungen eine Rolle spielen. In England, den USA und Frankreich ist es nicht denkbar, dass seriöse Berichterstattung das Äquivalent der Vokabel „farbig“ verwenden würde.
Wir möchten vorsorglich darauf hinweisen, dass die Intention, etwa besonders höflich zu sein (indem man „schwarz“ vermeidet oder als nicht zutreffend empfindet), nichts daran ändert, dass die Vokabel „farbig“ auf Menschen bezogen nicht nur politisch sondern auch inhaltlich und journalistisch unkorrekt ist.
Im Sinne der Einhaltung der Gleichberechtigung in unserer Gesellschaft, zu der auch das Respektieren der Selbstbenennung ethnischer Minderheiten seitens der Mehrheitsgesellschaft gehört, sollte also bei der Abnahme aller Manuskripte künftig darauf geachtet werden, dass ausschließlich Begriffe verwendet werden, die diskriminierungsfrei sind. Im Zweifelsfalle gibt es umfangreiche Literatur zu diesem Thema – sowie Organisationen/Dachverbände, die um Auskunft gebeten werden können.
Abschließend möchten wir die Frage aufwerfen, weshalb es vielen KollegInnen und Kollegen im März 2008 noch vonnöten scheint, sogar Artikel mit Bildern des Präsidentschaftskandidaten Barack Obama mit der „Beschreibung“ „farbiger Präsidentschaftskandidat“ zu versehen. Ein Service für farbenblinde LeserInnen? Keine Zeit, ein passendes Adjektiv zu suchen? Medien, die dies für so neu und relevant halten, dass sie auf den ethnischen Zusatz nicht verzichten mögen, schlagen wir vor, mit Hillary Clinton ebenso zu verfahren und stets dazu zu bemerken, dass sie eine weiße Frau ist, vor allem unter oder neben Bildmaterial, das die Person zeigt.







Di, Aug 26, 2008
Dossier Apartheid, Deutschland