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Noch Ende der neunziger Jahre war Mugabe gern gesehen in Bonn

Do, Mai 8, 2008

Dossier Deutschland, Die Linken, Kommunismus

Es ist unglaublich, wie weltfremd Deutschland manchmal durch die Gegend rennt. Noch 1998 war Robert Mugabe bei dem damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog samt “zehnköpfigem Stab und mehreren Vorständen deutscher Konzerne” zum Abendessen in die Präsidentenvilla eingeladen. Und ergatterte sich großzügigen Finanzhilfen für seine Staatsfirmen.

Nun, zehn Jahre später, stellt man erschrocken fest, dass das Geld perdu ist und schickt Mugabe ein Inkassounternehmen auf den Hals. Dieses Inkassounternehmen hatte beim Obersten Gerichtshof von Durban einen Pfändungsbeschluss für die heiße Fracht, 70 Tonnen Waffen und Munition für den Diktator Mugabe, des Frachters Frachter “An Yue Jiang” erwirkt. Und wegen des Presserummels um diesen Frachter (siehe hier oder hier) kam die Großzügigkeit des deutschen Staates gegenüber Mugabe erst so richtig an Tageslicht.

Es ist zum Kotzen, als ob Mugabes Absichten und Politik nicht auch schon 1998 absehbar gewesen wäre. Die Gutmenschen lassen sich einfach nicht beirren.

Industrieprojekte in Simbabwe bescherten der Staatsbank KfW herbe Verluste. Ein Inkassobüro treibt nun ihre Forderungen ein – mit unorthodoxen Methoden.

In Deutschland war der Diktator lange Zeit ein durchaus gerngesehener Gast. Gleich zweimal reiste Simbabwes Präsident Robert Mugabe Ende der neunziger Jahre in die einstige Bundeshauptstadt Bonn. Dort lud ihn dann der damalige Bundespräsident Roman Herzog 1998 samt “zehnköpfigem Stab und mehreren Vorständen deutscher Konzerne” gar zum Abendessen in die Präsidentenvilla, erinnert sich ein Teilnehmer.

Mugabe bedankte sich während des üppigen Galadiners artig für die großzügigen Finanzhilfen – und hoffte auf noch mehr. Die Werbetour trug Früchte: Die staatliche Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) finanzierte Mugabes klammen Staatsfirmen eine Einkaufstour bei den feinsten Industrieadressen. Neben Krankenhäusern und der Modernisierung eines Elektrizitätswerks wurden drei weitere Großprojekte angeschoben.

ABB Mannheim baute am Flughafen in Harare ein neues Terminal. Der Ferrostaal-Konzern modernisierte ein Stahlwerk. Im Sommer 2000 rüstete schließlich auch noch Siemens den staatlichen Mobilfunkanbieter von Simbabwe auf.

Obwohl Mugabe wegen der Vertreibung weißer Farmer kurz zuvor international in Ungnade gefallen war, unterzeichneten die Münchner ohne zu zögern den Liefervertrag – medienwirksam in einem Luxushotel in Sichtweite der berühmten Victoria-Wasserfälle.

Acht Jahre später entpuppt sich der damalige Kuschelkurs als eher unglücklich. Die Industrie hat zwar längst die Millionen von der KfW kassiert, aber die Staatsbanker warten seither vergebens auf die Schuldentilgung durch die Regierung von Simbabwe.

Alle fünf Projekte endeten für die Bank im Desaster. “Ein Kreditvolumen von rund hundert Millionen Euro ist seit dem Jahr 2000 notleidend”, bestätigt eine Sprecherin. Ein Teil davon sei allerdings durch Bürgschaften der Hermes Kreditversicherung abgedeckt.

Neuerdings hat die Geduld der deutschen Geldmanager ein Ende. Allein im Fall des von Ferrostaal sanierten Stahlwerks steht Simbabwe bei der KfW mit rund 40 Millionen Euro in der Kreide. Das soll nun das Inkassobüro Commercial Intelligence (CI) möglichst schnell und effizient ändern.

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