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Wie kann ein ehemaliger DDR-Korrespondent Mengistu Haile Mariam übersehen haben?

Mo, Mai 7, 2007

Dossier Afrika, Kommunismus

Ein Rentner aus Ossiland, damals Journalist in der DDR, im Ruhestand, schreibt, dass er eines allerdings für das Grundübel dieser Zeit halte, “Es ist der Umstand, dass so ziemlich alles im gesellschaftlichen Leben ausschließlich davon bestimmt wird, wie sich das Kapital verwertet, welche Freiräume es noch durchdringen kann – mit Millionen von Arbeitslosen, mit perspektivlosen Jugendlichen, mit der Armut in großen Teilen der Welt. Oft hat man den Eindruck, die Regierung sei nur der Erfüllungsgehilfe der Unternehmerverbände. Mir bleibt der Gedanke unerträglich, wenn dies das Nonplusultra menschlicher Entwicklung sein soll.”

Ein selbst erlebtes Leben im pleitegegangenen Ossi-Paradies inklusive IMs, Stasi und Pankow sind natürlich der letzte Grund, das Glauben an das Nonplusultra aufzugeben. Auch, weil er immer noch stolz sein will auf die Leistung der DDR im Ausland. Stolz! Die Auslandspolitik der DDR sei vorbildlich gewesen, könne er als Auslandskorrespondent, und viele gab es davon nicht in der DDR, wie er selbst erkennt, ja gut beurteilen.


War ich wirklich in Mocambique?

Oder: Ein Ossi erinnert sich, mal besser, mal weniger gut. Spacek, Peter: Als DDR-Korrespondent auf vier Kontinenten

Journalisten gelten zwar als agil und entdeckungsfreudig, aber auch als etwas oberflächlich. Man sagt, ein Wissenschaftler wisse von wenigem viel, ein Journalist von vielem wenig. Auf die Spitze getrieben bedeute das, dass ein Wissenschaftlicher von überhaupt nichts alles versteht, ein Journalist von allem überhaupt nichts. Wenn ich heute im Fernsehen sehe, wie sich ganze Kavalkaden von Reportern und Kameraleuten gegenseitig auf die Füße treten, nur um von irgendeinem Politiker einen O-Ton zu erhaschen, wird es mir fast peinlich, zu diesem Beruf zu gehören. Noch mehr, wenn ich die Zeitungen mit den großen Buchstaben sehe, oder die bunten Journale, die nur davon leben, herauszufinden, welche Prominente mit wem fremdgehen.

So langweilig die journalistischen Produkte mitunter bei uns auch waren, so niveaulos waren sie nicht. Dabei spüre ich im Nachhinein allerdings einen gravierenden Mangel, den es heute gibt, und den auch wir hatten. Eigentlich wären es Journalisten der Ehre ihres Berufs schuldig, ergebnisoffen zu recherchieren, also unvoreingenommen das zu berichten, was sie herausfinden. Doch leider ist das nicht so. Bis auf verschwindend wenige Ausnahmen gehen sie mit einer vorgefassten Meinung heran. Was da hineinpasst, wird entsprechend gewürdigt. Was dem entgegensteht, verschwindet in der Versenkung oder wird heruntergespielt. Diesen Vorwurf müssen wir uns auch machen. Damals hieß das Klassenstandpunkt.

Was für ein Sozialismus war das?

Dieses Kapitel ist das schwerste für mich. Auch heute noch habe ich mehr Fragen als Antworten. Die DDR mit ihrem Sozialismus ist nicht nur untergegangen, sie ist geradezu kläglich untergegangen. Waren das sich häufende Fehler am Ende, oder war das eine Fehlkonstruktion von Anfang an? War es ein kämpfenswerter Kampf, der nur verloren ging? Meine gesamte produktive Zeit habe ich in dieser Periode zurückgelegt. Es war mein Leben. Soll ich nun etwa sagen, dass es ein verfehltes Leben war?

Als Ursachen für das Untergehen der DDR werden oft die wirtschaftliche Schwäche und die mangelnde Demokratie genannt. Von Wirtschaft verstehe ich nicht viel. Natürlich wusste ich, dass die Produktivität im Westen weitaus höher war, dass dringend nötige Investitionen unterblieben, einige Bereiche sogar regelrecht auf Verschleiß gefahren wurden. Besonders deprimierend war der Verfall der Innenstädte, der sich sehr aufs Gemüt legte. Es gibt aber auch eine andere Seite. Die Betriebe waren nach dem Ideologieverständnis der SED Hochburgen der Arbeiterklasse. Deshalb hing vieles an ihnen, was anderswo kaum vorstellbar wäre: In größeren Betrieben Kulturhäuser, sonst wenigstens Zirkel für künstlerisches Schaffen, wenn das die Leute wollten. Es gab Betriebsferienheime, Kinderferienlager, Betriebskindergärten, subventioniertes Essen. In marktwirtschaftlich rechnenden Unternehmen hätte man sich diesen Luxus nie leisten können. Die DDR hatte an ihrem Ende Schulden in Höhe von etwa 20 Milliarden Valuta-Mark. Allein die Stadt Berlin hat jetzt das Vierfache davon.

Vieles hätte besser sein können, wenn das viel genannte Leistungsprinzip richtig praktiziert worden wäre. Aber mit der “zweiten Lohntüte”, den 20 Pfennigen für eine U-Bahn-Fahrt oder den fünf Pfennigen für ein Brötchen, den subventionierten Waren, den extrem niedrigen Mieten und anderen Leistungen hatte jeder Vorteile, die überhaupt nicht von seinem eigenen Tun abhingen. Oft wurde der Plan auch nur mit dem Bleistift erfüllt. Die Jugendzeitung “Junge Welt” schrieb über einen jungen Baufahrer, den seine Kollegen zwingen wollten, mehr Fuhren aufzuschreiben, weil so eine Bleistiftrechnung ja auch rundum aufgehen musste. “Ich will mein Geld aber ehrlich verdienen”, sagte er. Wie man mir erzählte, gab das im Politbüro einen Aufruhr. Das sei eine Beleidigung der Arbeiterklasse, hieß es. Nur der ehemalige FDJ-Vorsitzende Egon Krenz und der FDGB-Vorsitzende Harry Tisch hätten verhindern können, dass der Redaktion Schlimmeres als ein arger Rüffel widerfuhr.

Bei der Demokratie sah es innerhalb der Betriebe noch am besten aus. Man konnte schon den Mund aufmachen und, wenn die Gewerkschaftsarbeit funktionierte, auch etwas verändern. Heute kann es schon schlimm werden, wenn man vielleicht den Juniorchef etwas schief ansieht. Aber sonst? Die einzige Möglichkeit, gegen negative Entscheidungen von Behörden anzugehen, bestand in “Eingaben”. Sie wurden zwar ernst genommen und haben auch häufig etwas bewirkt. Aber es gab keinen Rechtsanspruch.

Im Jahre 1946, da war ich noch in der LDP, gab es die ersten und letzten regelrechten Wahlen für die Landtage, Kreistage und Kommunalvertretungen. Mit dem Wahlkampf und der Polemik in den Zeitungen war das ein hoch interessante Zeit. Auch da errang die SED in Sachsen die Mehrheit. Doch dann folgten die Einheitslisten der Nationalen Front, die alles zu einer bloßen Formfrage machten. Das Grundproblem bestand meines Erachtens in der natürlich nicht freiwilligen Übernahme sowjetischer Methoden. Im alten Russland hatte es nie demokratische Traditionen gegeben, keine bürgerlichen Revolutionen wie in Frankreich und im übrigen Europa. Die Oktoberrevolution 1917 stülpte das neue System auf feudale Verhältnisse. Das prägte natürlich sehr stark den weiteren Entwicklungsweg in der Sowjetunion.

Aber bei uns? Kurz nach dem Kriege veröffentlichte die KPD ein Dokument über einen besonderen deutschen Weg zum Sozialismus, sicher auch mit Zustimmung Moskaus. Da stand sogar darin, dass man das sowjetische Modell nicht nachahmen wolle. Doch das hielt nicht lange vor. 1948 wurde die SED nach sowjetischem Vorbild zur Partei neuen Typus deklariert, die führende Rolle der KPdSU anerkannt. Da war der besondere deutsche Weg vorbei. Natürlich wird mir das erst heute so richtig bewusst. Aber nach meinem Empfinden war das die alles entscheidende falsche Weichenstellung. Allerdings: Auf der anderen Seite wäre die DDR ohne Rückendeckung durch die Sowjetunion nicht lebensfähig gewesen. Es ist eine Schlange, die sich in den Schwanz beißt.

Die Gefahren der Macht

Als Erich Honecker sein Amt antrat, soll er gesagt haben, er wolle das nur bis zum 65. Lebensjahr tun. Als er schließlich abgelöst wurde, war er 77. Dabei lässt sich ziemlich genau verfolgen, wie die unangefochtene Macht den Charakter total verändert. Zwei gute Bekannte von mir, Katja und Heinz Stern, waren Korrespondenten des “Neuen Deutschland” in Moskau, als Erich Honecker dort an der Parteihochschule studierte. Er kam öfter zu ihnen, weil er gern Pellkartoffeln essen wollte. Damals hätte man mit ihm noch Pferde klauen können, sagten sie. Als Honecker unter Ulbricht noch zweiter Mann war, gehörte bei einem offiziellen Sowjetunion-Besuch zum Programm auch eine Wolgafahrt. Auf dem Schiff war der Platz, wo sich die Oberen aufhielten, durch eine Kordel abgesperrt. Der stellvertretende Chefredakteur des ND, Harri Czepuk, der Honecker gut kannte, rief hinüber: “Was ist denn los, Erich? Dürft Ihr da nicht raus?” Woraufhin Honecker die Kordel entfernen ließ.

Auf dem Alex traf ich damals zufällig einen alten Bekannten von der “Täglichen Rundschau”. Er erzählte mir, beim Zentralkomitee der SED sei gerade ein Institut für Meinungsforschung gegründet worden, dessen stellvertretender Chef er sei. Die neue Parteiführung unter Honecker lege großen Wert darauf, sehr realistisch über die Stimmung in der Bevölkerung informiert zu werden. Bei den parteiinternen Informationen werde zu viel Schönfärberei betrieben. Sehr lange hat dieses Institut nicht existiert. Es gab später das geflügelte Wort: “Der Generalsekretär liebt keine schlechten Nachrichten.” Ein Rundfunkkollege, der in die Agitationsabteilung des Zentralkomitees versetzt wurde, erzählte mir haarsträubende Beispiele dafür, wie vor allem die Politbüromitglieder Günther Mittag und der für die Presse zuständige Joachim Herrmann regelrechte Arschkriecherei betrieben und wie gern das offenbar gesehen wurde.

Ein anderes Beispiel für diesen immer schlimmer werdenden Stil: Beim Staatsbesuch in Griechenland forderte Honecker den griechisch sprechenden DDR-Botschafter auf, beim Vieraugengespräch mit dem dortigen Regierungschef nicht nur zu dolmetschen, sondern auch Protokoll zu führen. Der machte ihn völlig zu Recht darauf aufmerksam, dass so etwas nicht geht, entweder das eine oder das andere. Daraufhin wurde er abgelöst. Im Außenministerium sorgte man dann wenigstens dafür, dass der sehr fähige Mann eine vernünftige Arbeit behielt.

Bevor Erich Honecker zu seinem Staatsbesuch nach Japan reiste, wurden als eine Geste zur Verbesserung des Klimas 10.000 “Mazda” importiert. Der Generaldirektor des Kombinats für Umformtechnik in Erfurt hatte dagegen eingewandt, es sei besser, stattdessen weitere 10.000 “Golf” einzuführen. Denn es gebe eine für uns sehr vorteilhafte Zusammenarbeit mit dem Volkswagenkonzern in vielerlei Bereichen, die sich dadurch noch weiter entwickeln ließe. Er wurde abgelöst. Die vielbeschworene führende Rolle der Arbeiterklasse war in Wirklichkeit die führende Rolle des Politbüros und des Generalsekretärs.

Eines rechne ich allerdings Erich Honecker nach wie vor hoch an – seine Außenpolitik. Es ist übrigens bezeichnend: Was auch der DDR nachträglich angekreidet wird, die Außenpolitik ist nie dabei. Als sowohl in der BRD wie in der DDR Mittelstreckenraketen stationiert waren, kam von Honecker konträr zu sowjetischen Positionen der Satz “Das Teufelszeug muss weg”. Dazu gehören auch die Bemühungen, die Beziehungen zur BRD zu normalisieren. Und wenn auch die allgemeine Stimmung immer schlechter wurde – die Friedenspolitik der DDR fand in großen Teilen der Bevölkerung viel Zustimmung.

Die DDR als Gegenversuch?

Als 1949 die DDR proklamiert wurde, war zuvor bereits die Bundesrepublik gegründet worden. Von deren Bundeskanzler Adenauer gab es das Wort “Lieber das halbe Deutschland ganz, als das ganze Deutschland halb”. Im Unterschied zum späteren Kanzler Willy Brandt, unter dem progressivere und auch antifaschistische Züge in die Politik kamen, gab es eine äußerst rechtslastige konservative und restaurative Politik. Nach der verheerenden Katastrophe, die Deutschland erlebt hatte, blieb das alte Gesellschaftssystem ziemlich unverändert. Die alten Nazi-Beamten machten sich wieder breit, an deren Spitze der Kommentator der antisemitischen Nürnberger Rassengesetze, Globke, der Adenauers Staatssekretär wurde. Sein Pressesekretär, Felix von Eckardt, hatte den Nazifilm “Hitlerjunge Quex” gedreht.

Dagegen etwas anderes zu setzen, war schon gut, auch aus heutiger Sicht. Nicht ohne Grund sind die meisten der emigrierten Großen des deutschen Geisteslebens bei ihrer Rückkehr in die DDR gekommen, wie Arnold Zweig, Anna Seghers, Bert Brecht. Auch Heinrich Mann wollte das, starb aber während der Vorbereitung.

Beträchtlich waren die sozialen Umwälzungen. Es gab keine großen Reichtümer, aber auch keine Armut wie heute, keine Obdachlosen. Niemand musste Angst haben, seinen Arbeitsplatz zu verlieren. Bildung und Entwicklungsperspektiven hingen nicht mehr von der Brieftasche des Vaters ab. Das sind zivilisatorische Leistungen, die einmalig in der deutschen Geschichte dastehen. Ich glaube nicht, dass mein Lebensweg unter anderen Bedingungen so möglich gewesen wäre. Unser Ivo entwickelte über eine Singegruppe seine Liebe zur Musik. Neben seiner Arbeit als Werkzeugmacher besuchte er eine Musikschule, die für ihn ein Klavier in unsere Wohnung stellte, ihn dann zur Musikhochschule delegierte. Ich weiß nicht, wie so etwas heute finanzierbar wäre. Bei einem Besuch meiner alten Oberschule bin ich erschrocken, als ich an einem Aushang las, was heutzutage allein das Ausleihen eines Musikinstruments kostet.

Warum musste das, was vielen Gutes brachte, so erstarren? Ich habe mal gelernt, die Weisheit der Partei bestehe darin, neu entstehende Fragen rechtzeitig zu erkennen und mit Lösungen darauf zu reagieren. Diese Weisheit ist gründlich verloren gegangen, wenn sie jemals bestanden hat. Als es 1989 überall brodelte und überall gesagt wurde, dass es so nicht weiter gehen könne, fand die SED nicht einmal ein Wort für ihre eigenen Genossen. Ein hauptamtlicher Parteifunktionär, der in unserem Haus wohnte, kam völlig ahnungslos und hilflos aus dem Urlaub. Er fragte mich, ob es denn keine Orientierung gebe, wenigstens intern? Ich konnte ihm nur antworten: “Wir setzen unsere schärfste Waffe ein – revolutionäres Schweigen!”

Der Parteiführung ist sicher zu glauben, dass sie stolz darauf war, in der DDR die Ideale ihrer Jugend verwirklicht zu haben. Nur: Inzwischen sind neue Generationen herangewachsen, und jede Generation hat nun mal ihre eigenen Ideale, stellt neue Fragen. Das musste ich ja auch bei meinen Söhnen spüren Das Nichtbegreifen solcher völlig normalen Prozesse, das sture Festklammern an alten Bildern hat den Zusammenbruch der DDR vielleicht nicht ausgelöst, aber auf jeden Fall beschleunigt.

Ein ehemaliger Bürgerrechtler, der sich aber nach der Wende bald wieder zurückgezogen hat, der Rechtsanwalt Henrich aus Eisenhüttenstadt, hat in der Endphase der DDR ein hochinteressantes Buch geschrieben: “Der vormundschaftliche Staat”. Mir scheint, dass sich schon in dieser Formulierung vieles über das Wesen der DDR bündelt. Es sollte alles zum Besten der Menschen geschehen. Aber was das Beste ist, wurde oben entschieden.

Bleibt ein Ausweg?

Ich kann eigentlich von Glück reden, dass es mir durch den Zeitpunkt meiner Geburt, durch mein halbwegs gesichertes Rentnerdasein erspart bleibt, mich den heutigen Verhältnissen anpassen zu müssen. Wie ich in dieser Bundesrepublik angekommen bin – es hat keinerlei praktische Bedeutung. Ich muss mich nirgends arrangieren, auf niemanden einen guten Eindruck machen, nicht versuchen, irgendwo unterzukommen. Für die Jüngeren meines Schlages, die irgendwie Geld verdienen müssen, ist das viel schwerer. Deshalb hüte ich mich auch, über andere zu rechten. Ich genieße das Privileg, frei und ohne Konsequenzen über die Vorgänge um mich urteilen zu können.

Es gibt vieles, was mir gefällt: Die größere Vielfalt an kulturellen Möglichkeiten, das bessere Angebot an lebenswerten Dingen, die höhere Produktivität, die Freizügigkeit in vielen Bereichen. Entgegen einer früher ideologisch etwas eingeschränkten Enge macht es mir viel Freude, mit Leuten zu reden, die anders denken als ich. Auch wenn man ihre Meinung nicht teilt, es bereichert.

Eines halte ich allerdings für das Grundübel dieser Zeit: Es ist der Umstand, dass so ziemlich alles im gesellschaftlichen Leben ausschließlich davon bestimmt wird, wie sich das Kapital verwertet, welche Freiräume es noch durchdringen kann – mit Millionen von Arbeitslosen, mit perspektivlosen Jugendlichen, mit der Armut in großen Teilen der Welt. Oft hat man den Eindruck, die Regierung sei nur der Erfüllungsgehilfe der Unternehmerverbände. Mir bleibt der Gedanke unerträglich, wenn dies das Nonplusultra menschlicher Entwicklung sein soll. Wenn auch ein erster Anlauf für eine bessere Gesellschaftsordnung fehlgeschlagen ist, es muss andere Möglichkeiten geben. Sicher ohne eine führende Partei und ohne eine herrschende Ideologie und ohne eine Verstaatlichung als Allheilmittel. Ob man das Sozialismus oder anders nennt – ich werde es nicht mehr erleben.

Kurz nach dem zweiten Weltkrieg verkündeten die Vereinten Nationen die Deklaration der Menschenrechte. Sie umfasste sowohl die individuellen bürgerlichen Rechte wie das Recht auf Freizügigkeit oder Meinungsfreiheit als auch soziale Rechte wie das Recht auf Arbeit, auf Bildung, auf ein Dach über dem Kopf. Jedes Jahr, wenn im Dezember der Jahrestag dieser Deklaration kam, pries die DDR völlig zu Recht ihre Verwirklichung der sozialen Rechte, blieb aber schwerhörig bei den anderen. Umgekehrt war die BRD schwerhörig bei den sozialen Rechten, weil das der Marktwirtschaft entgegen liefe, würdigte aber die in ihr verwirklichten individuellen Menschenrechte. Wäre es nicht wenigstens ein erstrebenswertes Ziel, beides wieder zusammenzuführen?

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