Wir Afrika-Begeisterten aller Couleur übersahen großzügig kleine Ärgernisse
Ein langjähriger Afrika-Begeisterter, Hans Hielscher, blickt unter dem Titel “Zerstobene Träume” zurück auf seine Erfahrungen — und zieht eine Lehre. Die da lautet: Immer nur Hospitäler einfachster Machart bauen, sich den Afrikanern anpassen. Klingt lächerlich, aber seine Abschlussworte sind, dass Albert Schweitzer mit dieser Forderung Recht gehabt habe. Aber der übrige Artikel geht auch endlich mal auf die Rolle des Kalten Krieges auf die heutige afrikanische Realität ein, wenigsten ansatzweise.
Zerstobene Träume -Von Hans Hielscher
- aus Afrika – Das umkämpfte Paradies, Spiegel Special Geschichte, Nr. 2, Mai 2007
… Afrika [Anfang der 60er] wollte die Entwicklung Europas im Sturmschritt nachholen. Das Gestern sollte – sanft unterstützt von den Industriestaaten – mit dem Morgen verschmelzen. In den Szenarien wohlmeinender Intellektueller wurden Dorfgesellschaften in die Moderne katapultiert. Man müsse nur Traktoren statt Schaufeln und Motorpflüge statt Hacken einführen und dabei die Werte der traditionellen Solidargemeinschaft erhalten: die familiäre Sorge für Waisen und die Achtung vor den Alten.
Marxistische und christliche Träumer malten Afrika als Modell für eine bessere Welt aus. Und sogar knallharte Kapitalisten glaubten an den unaufhaltsamen Aufstieg des Erdteils: Handelskammern und Industrieverbände von New York bis Hamburg schwärmten damals von Afrikas “Märkten von morgen”.
Wir Afrika-Begeisterten aller Couleur übersahen großzügig kleine Ärgernisse. So fanden wir es zwar übertrieben, wenn sich neue Kleinstaaten zu ihrer Flagge und Hymne und zu den obligaten Regierungsbauten auch noch Jets für eine eigene nationale Fluggesellschaft zulegten. Aber schnell fanden wir entschuldigende Erklärungen: Symbole wie die Flugzeuge oder ein überdimensioniertes Nationalstadion seien notwendig, wo unterschiedliche Stämme zu einer Nation zusammenwachsen sollen. Also sollten unsere Länder liefern, was die neuen Regierungen wünschten. Außerdem würde der Ostblock einspringen, wenn der Westen Forderungen der Afrikaner ablehnte.
Denn die Unabhängigkeitswelle rollte über Afrika, als der Kalte Krieg die Welt spaltete. Amerika und die Sowjetunion buhlten um die Sympathien der neuen Staaten. Afrika war als Rohstofflieferant und strategische Weltregion immens wichtig. Wem würden sich die neuen Regime zuwenden? In Deutschland erschienen Bücher mit Titeln wie “Schwarze Haut im roten Griff” und “Afrika – schwarz oder rot”. Nach der historischen Rauferei um Afrika, die die europäischen Kolonialmächte im 19. Jahrhundert inszeniert hatten (“scramble for Africa”) balgten sich diesmal die entgegengesetzten politischen Lager um den Schwarzen Kontinent.








Fr, Mai 25, 2007
Dossier Afrika, Kommunismus, Wirtschaft