District 9: Großes Kino aus Südafrika
Do, Nov 5, 2009
Dossier Kino

Filmplakat District 9
District 9 ist ein verstörend realistischer SciFi-Triller des südafrikanischen Regisseurs Neill Blomkamp, der in den USA zum Sommerhit 2009 avancierte.  Produziert wurde er von niemand Geringerem als Herr der Ringe-Macher Peter Jackson. Die Handlung spielt in Johannesburg.
District 9 basiert auf dem Kurzfilm Alive in Joburg aus dem Jahr 2005, bei dem Neill Blomkamp mit anderen auch schon Regie führte. Dieser Kurzfilm spielt im Jahre 1990 in Johannesburg, das zum Wohnort einer großen Anzahl von außerirdischen Flüchtlingen wurde, deren riesige Raumschiffe über der Stadt schweben. Das Erschreckende ist, dass alle in diesem Kurzfilm interviewten Personen keine Schauspieler sind, sondern einfache Passanten aus Johannesburg, die nach ihrer Meinung zu den Flüchtlingen aus Zimbabwe und Nigeria in Südafrika befragt wurden. Später dann wurden diese Interview-Schnipsel so geschickt in den Film eingebaut, dass man den Eindruck erhält, diese Personen würden über die Außerirdischen reden.
Diese imposante Kurzfilm ist auf YouTube zu bewundern:
Dieser Kurzfilm hinterließ soviel Eindruck in Hollywood, dass Blomkamp ursprünglich die Verfilmung des Videospieles Halo angetragen wurde, doch Produzent Jackson stieg aus diesem Projekt aus und ermunterte Blomkamp stattdessen, aus dem Kurzfilm einen kompletten Film zu konzipieren.
In District 9 Film lässt Blomkamp Außerirdische landen, doch diese sind keine süßen ETs, sondern insektoide, potthäßliche, desorientierte Looser, die prompt von ihren überforderten irdischen Gastgebern in den District 9 verlegt werden. In diesem Ghettobezirk mit den äußerst integrationsunfähigen Einwanderern herrscht bald Progromstimmung.  Die Aliens werden zunehmends als Schnorrer wahrgenommen, man will sie loswerden, sie sogar in eine Art Konzentrationslager vor den Toren der Stadt weiterverlegen.
Der Film wurde zwangsläufig zu einer Allegorie auf die Apartheid und erzählt so von einer neuen Apartheid, von der neuen, gewalttätigen Ausländerfeindichkeit in Südafrikas Townships. Das Science-Fiction-Genre ist halt besonders geeignet, die Gegenwart zu reflektieren. Natürlich erzählt der Film von dem Rassismus, der wohl immer noch in den Knochen eines jeden Südafrikaners steckt, weiß und schwarz. Der Titel ist offenkundig angelehnt an den District Six, einem Wohnbezirk in Kapstadt, welcher zu Zeiten der Apartheid von den schwarzen Einwohnern, man kann schon sagen, “gesäubert” wurde.
District 9 (hier der Trailer auf YouTube) ist auf alle Fälle der beeindruckendste Film, der seit langem  von einem Süafrikaner gedreht wurde! Die Filmkritiken sprechen für sich:
Gedreht im ‚Cloverfield‘-Augenzeugenstil und gespickt mit superben Computertricks wirkt das bizarre Flüchtlingsszenario in ‚District 9‘ völlig realistisch – sogar beim alienwaffenstarrenden Actionfinale. Fazit: Grandioser Mix aus Effekt-Kino und Apartheid-Parabel. Die Geburtsstunde eines Genre-Klassikers!“
– Cinema Online
Das Fazit der SZ Online:
“District 9″ hat das, was man mit dem ziemlich abgenutzten Begriff Coolness bezeichnen muss. Er bringt ein Gefühl von Freiheit und Spontaneität rüber, wie es heute wohl nur das Genrekino fertigbringt. Die Spontaneität, eine Geschichte mit den phantastischsten Volten zu erzählen und dabei ganz dicht an der Wirklichkeit zu bleiben.
Und zum Inhalt:
Das ist Apartheid nach der Apartheid, Post- und Hyperapartheid, die nun auch die einstigen Opfer, die Schwarzen, erfasst – die Aliens sind gewissermaßen die Schwarzen der Schwarzen. Auch am Ende dieses Films ist der von jeglicher Realität abgehobene Gedanke einer politischen Korrektheit ad absurdum geführt.
Also, ausleihen und in Programmkinos noch angucken!







klingt wirklich spannend. den film sehe ich mir bestimmt an. vielen dank für den schönen beitrag!
lg miranda