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André Brink über Afrika: Das Grausigste und das Schönste in der menschlichen Natur

Di, Apr 21, 2009

Dossier Kunst, Südafrika

Morgen wird in Südafrika gewählt. Dieses Ereignis bringt das Land in fast jeder bundesdeutschen Zeitung ins Gespräch. Sehr beeindruckend ist das Interview, das “Der Tagespiegel” mit André Brink führte.

Brink erklärt, dass sein neues Buch, “Die andere Seite der Stille“, von einem sadistischen Hauptmann der kaiserlichen Truppen in Deutsch-Südwestafrika handelt, der deutsche Mädchen, oftmals Waisenkinder, die vor dem Ersten Weltkrieg im Deutschen Reich angeworben wurden, misshandelt.

Das Ganze basiert auf einem wahren, bisher weitgehend unbekannten Kapitel der deutschen Kolonialgeschichte: “Die jungen Auswanderinnen sollten in Südwestafrika Arbeit und Ehemänner unter den deutschen Farmern und Soldaten finden. Sie trafen, ausgesetzt in einer völlig fremden Welt, zumeist auf Männer, denen schwarze Dienstboten als Sexobjekte nicht mehr genügten. Das war tatsächlich ein moderner Sklavenmarkt, ein von den kaiserlichen Behörden organisierter Frauenhandel mit den ärmsten und schutzlosesten Menschen im Deutschen Reich”, so Brink.

Ganz nebenbei erfährt der geneigte Leser, dass Brink das erste afrikaanse Buch schrieb, das durch das Apartheidsregime verboten wurde, dass Brink gehörig Angst vor Zuma hat und glaubt, “[w]enn jemand der Idee eines Heiligen heutzutage noch nahekommt, dann ist es Nelson Mandela”.

Yeah, der Mann weiß, wovon er spricht. Hier seine Erklärung für die Gewalt in Afrika:

Tagesspiegel: Politisch korrekte Europäer wollen sich alle Missstände in Afrika als Erbe des Kolonialismus erklären. Aber reicht das angesichts all des Blutvergießens und Terrors vom Kongo bis Simbabwe, von Nigeria bis Ruanda noch aus?

André Brink: Es gibt Gewalt, die weder durch das dunkle „Erbe des Kolonialismus“ noch durch unmittelbare soziale Ursachen begründet werden kann. Die Männer, die meine Tochter im Restaurant beraubt haben, waren nicht arm, die rochen nach teurem Aftershave. In Afrika gab es schon im 18. Jahrhundert ungeheure, rational nicht erklärbare Exzesse der Gewalt, ähnlich wie zuletzt in Ruanda. Das ist jedoch nicht nur durch angeblich archaische, voraufklärerische Stammeskulturen zu erklären. Schwarzafrikaner haben kein besonderes Gewalt-Gen, so wenig, wie etwa die Deutschen spezifische Dispositionen hatten, weil sie den Holocaust verursachten. Auch Mandela und Bischof Tutu sind ja Schwarzafrikaner. 

Nein, das einzig Besondere ist für mich, dass Afrika ein dramatischer Kontinent ist. Afrika steigert in dramatischer Weise immer beides: das Grausigste und das Schönste in der menschlichen Natur.

Die Aussage muss ich erst einmal verarbeiten. Hat jemand spontan eine Meinung dazu?

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3 Antworten auf “André Brink über Afrika: Das Grausigste und das Schönste in der menschlichen Natur”

  1. DüneSieben sagt:

    Ich lese das Buch gerade, in Englisch. Es ist so harter Tobak, dass ich erstmal pausieren muss. Ob ich es noch weiter- bzw. zu Ende lese? Ich weiß es nicht. Aber vielleicht kann ich irgendwann mit einer Antwort dienen.

  2. Der/die/das Namibia/er sagt:

    Cool, endlich mal eine belesene “Südwesterin”, das ist selten … :-)

    @Frau Dünesieben: Hattest Du jemals zuvor von dieser Missbrauchsgeschichte gehört? Mir war das völlig unbekannt.

  3. DüneSieben sagt:

    Also, man kann es sich ja vorstellen, dass die Menschen (Männer) unter diesen Bedingungen nicht zimperlich waren. Und die Frauen hatten keine Rückhalt. Vorstellen kann ich es mir schon. Aber wirklich gewußt, nein.
    (Ein brutaler Teil der namibischen Geschichte.)

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