Charlotte Roche und das Image deutschen Sexlebens: Back to the roots
In den 80ern und sogar bis tief in die 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts war Pornografie im prüden Südafrika verboten. Komplett verboten, sogar in Männermagazinen gab es weder Brustwarzen noch nackte Ärsche  zu bewundern — wie schon kürzlich erwähnt, alles Pikante wurde von schwarzen Balken und Sternchen verdunkelt.Â
Und doch gab es natürlich unter der Hand immer irgendwo eine VHS-Kassette oder ein Schmuddelheftchen zu ergattern, was der schnöden Materie immer auch den Hauch der Subversivität, der Auflehnung gegen das große Monster Apartheid, verlieh.
Merkwürdigerweise war dieser Schmuddelkram, in ganz Südafrika bei allen Bevölkerungsgruppen, immer in deutscher Sprache. Was für Deutschland wohl die Schwedenpornos waren, waren für Südafrika die Deutschenpornos. Egal ob Boer, Coloured oder Engländer, egal ob auf der Baustelle oder in den Vorlesungssälen diverser Unis zwischen Johannesburg, Grahamstown und Kapstadt, die Bedeutung und die korrekte Aussprache der Phrasen “tiefer, härter, schneller” und “ficken, bumsen, blasen” waren weit über über den deutschen Sprachraum hinweg bekannt.
Deshalb machte sich dann doch Ende der 90er, als massenhaft deutsche Girlies in Kapstadt eindrangen — es leben bis zu 100.000 Deutsche aus Deutschland, bevorzugt aus der hippen Werbe- und Medienbranche (zwischen diversen Steuerflüchtigen),  allein in Kapstadt — eine leichte Verwunderung über das neudeutsche Sexualleben breit.
Genau diese Verwunderung erklärt uns Justin E. H. Smith in einer beeindruckenden Besprechung von Charlotte Roches Roman “Feuchtgebiete” auf N1BR, der Literaturbeilage des n+1 Magazins. Ganz nebenbei erfahren wir auch, dass die deutschene Pornos auch in den USA einen gewissen Ruf  hatten, wie es die folgende Passage der Besprechung von Justin Smiths Kritik auf  Perlentaucher.de verdeutlicht:Â
Die klebrigen Seiten von Charlotte Roches “Feuchtgebieten” geben Justin E. H. Smith die verspätete Gelegenheit, ein paar Dinge loszuwerden, die ihm zum Sexleben der Deutschen aufgefallen sind. “Wenn ich ehrlich sein darf, sie sind mir lange zu gesund vorgekommen. Deutsche Jugendliche haben Sex mit der gleichen Selbstverständlichkeit, mit der sie sich an der Universität für Kurse einschreiben, Clubs beitreten, Hobbys kultivieren. (…) Viele Leser denken jetzt: Einen Moment mal. Deutschland? Kommen da nicht all die alten Fetisch-Pornos her? Sind Fassbinder und Klaus Nomi nicht auf ihre Weise alle deutsche Perverse?
Ja, aber das war vor einer Generation oder es war die stereotype Verdichtung von Verhaltensformen, die man vor einer Generation gefunden haben mag. Heutzutage ist alles genauso normal wie sich die Fußballweltmeisterschaft anzuschauen. (…) Roche sollte daher ein Lob zuteil werden, zumindest dafür, dass sie die deutsche Sexualität wieder seltsam gemacht hat.”
Nicht nur seltsam, sondern hauptsächlich auch wieder analfixiert! Charlotte Roche hat das Bild der deutschen Sexualiät in der Welt wieder zurechtgerückt — verrucht, unerhört, unglaublich. Vielleich hat der deutsche Porno bald wieder Konjuktur in Südafrika!Â








Di, Mrz 31, 2009
Dossier Deutsche Medien, Kunst, Südafrika