Die Genoziddebatte befeuert die namibische Innenpolitik
Mi, Jan 30, 2008
Dossier Die Linken, Genozid, etc
Die von deutschen, linken Historikern und Politikern forcierte Debatte darüber, ob der Hererokrieg von 1904 auch ein Genozid war, der Entschädigungszahlungen erfordert, zeigt nun auch in der namibischen Innenpolitik ihre Wirkung.
Die namibische Regierung, die mehrheitlich von den der Regierungspartei SWAPO nahe stehenden Ovambo gewählt wurde, zeigte bislang kein dringendes Interesse an einer Umverteilung des kommerziellen Farmlandes zugunsten der Herero. Doch nun hat die Regierungspartei Swapo sich doch eines Besseren besinnt und unterstützt seit dem letzten Jahr offiziell die Forderung nach Reparationen.
Was das praktisch bedeutet, erklärte Jerry Ekandjo, Hardliner in der SWAPO-Regierung und der Mann mit den meisten Stimmen bei den letzten Wahlen zum Zentralkomitee der SWAPO (Führungsgremium der SWAPO — woher die Nomenklatur wohl stammt?), Ende letzten Jahres im Parlament.
Ohne den Vernichtungsfeldzug, den es gegen die Owambo jedenfalls nie gegeben hat, gäbe es jetzt in Namibia 30 Millionen Einwohner, so Ekandjo. In Namibia leben derzeit 2 Millionen Einwohner — und der Wassermangel ist schon jetzt deutlich spürbar. Außer Rinder- und Landdiebstahl hätte die deutsche Kolonialzeit nichts gebracht — eine deutlich sozialistische Sehensweise, die ja die Errungenschaften der westlichen Zivilisation wie Medizin, Bücher, Bildung, Demokratie und Menschenrechte insgesamt verneint.
Da zeigen sich die immer noch verwurzelte Beziehungen, die damit zu tun haben, dass der Befreiungskampf der SWAPO auch von Formen einer Solidarität abhängig war, an der sich die DDR damals beteiligt hat.
- Ekandjo belehrt SWAPO-Gegner — Minister warnt „Feinde des Friedens” vor möglichen Konsequenzen
- AZ vom 21.09.2007
Windhoek – Der Minister für Ländereien und Neusiedlung, Jerry Ekandjo, hat die andauernde Versöhnungsdebatte in der Nationalversammlung mit der Feststellung bereichert, in Namibia habe während über 100 Jahren der kolonialen Fremdbestimmung keine Entwicklung stattgefunden.
„Zu Zeiten der deutschen Besatzung in Namibia zwischen 1884 und 1915 hat es keine Entwicklung in Namibia gegeben”, erklärte er am Mittwoch zu einer von Tsudao Gurirab (CoD) initiierten Debatte über die nationale Versöhnung in Namibia. Die Deutschen hätten ebenso wenig wie die Südafrikaner kein Vieh nach Namibia gebracht, sondern der einheimischen Bevölkerung ihr Land entwendet und ihre Rinder abgenommen. Dieser Grund und Boden befinde sich heute in den Händen der Nachfahren deutscher und südafrikanischer Kolonialisten.
Deshalb sei nicht einzusehen, warum die Regierung heute im Rahmen des Umsiedlungsprogramms für kommerziellen Grund und Boden bezahlen solle, der seinen rechtmäßigen Besitzern vor der Unabhängigkeit gestohlen worden sei und für das zahlreiche Namibier im Befreiungskampf ihr Leben gelassen hätten. „Einige dieser Grundbesitzer wehren sich nun juristisch gegen die Enteignung ihrer Farmen”, sagte Ekandjo, der dieses Vorgehen offenbar als Anmaßung empfindet. Schließlich würde „kein Gericht in Amerika oder sonst wo auf einen Namibier hören, der dort rund und Boden besitzt und sich gegen seine Enteignung wehrt”.
Eine Vergangenheitsbewältigung, die nach Einschätzung einiger Regierungskritiker in Form einer Wahrheits- und Versöhnungskommission erfolgen solle, muss Ekandjo zufolge diese Zusammenhänge berücksichtigen und bei dem Beginn der deutschen Kolonialherrschaft in Namibia ansetzen. Schließlich habe mit deren Besatzung die Ausrottung” der Namibier begonnen, aus der sich auch der Umstand erklärt, „dass Namibia heute nur knapp zwei Millionen statt 30 Millionen Einwohner hat”.
Angesichts dieser Zusammenhänge wird die SWAPO nach Darstellung von Ekandjo nicht dulden, dass angeblich unpatriotische Elemente wie der Menschenrechtler Phil ya Nangoloh die Errungenschaften der SWAPO in Frage stellen und deren Parteipräsidenten Sam Nujoma in Verruf bringen würden. Wenn sich diese subversiven Kräfte weiterhin an Nujoma „vergreifen” würden, werde sich die SWAPO ihrerseits gegen jene vorgehen, die „von dem Kolonialismus profitiert haben”.
Von ya Nangoloh verbittet sich Ekandjo grundsätzlich jegliche Kritik an Nujoma, weil sich dieser von „ausländischen Feinden des Friedens in Namibia” instrumentalisieren lasse.







Das Problem dabei ist nur, dass dieser Diskurs nicht nur von “linken deutschen Historikern” geführt wird, sondern von allen. Der einzige Diskurs der geführt wird, ist der über die Kategorisierung des Genozids. Ob dieser nun Vorläufer zu Auschwitz war, ob genug Menschen gestorben seien, ob 60-80% der Population genug sind und ob man den Völkermord überhaupt Genozid nennen kann, weil der Ausdruck ja schon von der Shoa belegt ist.
Wissenschaftlicher Konsens hingegen ist die Tatsache, dass das alles stattgefunden hat, auch wenn “Hobbyhistoriker” die selbst sagen, sie haben keinen wissenschaftlichen Anspruch, etwas anderes behaupten.