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Ulf G. Stuberger in Namibia: Verbitterter Eselfarmer tritt nach

Di, Dez 9, 2008

Dossier Deutsche Medien, Die Linken, Südwester, etc

Im Juni dieses Jahres hat Ulf “Gott” Stuberger sein Buch “Ich war ein weißer Farmer in Afrika” veröffentlicht. Hier die Kurzbeschreibung des Buches auf Amazon:

Traumziel Afrika — um ein neues Leben als Farmer zu beginnen, wanderte Ulf G. Stuberger nach Namibia aus. Begeistert von dem neuen Lebensstil, den billige Arbeitskräfte möglich machten, fügte er sich in das kolonialistische System der deutschstämmigen Farmer ein, die die schwarze Landbevölkerung gewissenlos ausbeuten und wie unmündige Kinder behandeln. Als er aber die Lebensbedingungen der Farmarbeiter verbessern wollte, stieß er auf erbitterten Widerstand der “Herrenmenschen” — und musste schließlich aufgeben. In seinem Buch schildert er die unangenehmen Wahrheiten über “die guten alten Zeiten” im Traumland Namibia.

Ulf G. Stuberger - Die Tage von Stammheim, Cover des BuchesSchluck, das fängt ja schon einmal gut an — Stichwort “Herrenmenschen”, da weiß man als deutschsprachiger Namibier sofort, woher der Wind weht.  Nun hat sich also jemand in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts fünf kurze Jahre als Farmer in Namibia versucht und ist gescheitert. Eigentlich nichts Dolles oder Außergewöhnliches, es scheitern auch Farmer, die ihr Lebtag lang nur Farmer waren. Stuberger hingegen war vor seiner Farmertätigkeit unter anderem Korrespondent der Nachrichtenagentur Reuters und als Journalist für mehrere Tageszeitungen sowie Stern, Der Spiegel, Rundfunk und Fernsehen tätig. Er war z.B. der einzige Journalist, der den Baader-Meinhof-Prozess gegen die Führungsmitglieder der Rote Armee Fraktion (RAF) durchgehend im Gerichtssaal in Stuttgart-Stammheim beobachtet hat. 

Die letztere Tätigkeit führte schließlich zu seiner Auswanderung nach Namibia. Denn laut Klappentext seines Buches setzte ihn “die Terrororganisation auf auf ihre Abschussliste aufgrund seiner unabhängigen Berichterstattung. Von da an stand Stuberger unter ständigem Personenschutz –- und entschloss sich schließlich, Deutschland zu verlassen.” Laut Wikipedia fand die Polizei im Mai 1978 in einer Frankfurter konspirativen Wohnung einen Zettel, auf dem Personen und Institutionen notiert waren, die mutmaßlich Opfer der RAF werden sollten. Auf dieser Todesliste war auch der Name Stubergers vermerkt. Er stand also seit 1978 auf der Todesliste, wanderte aber erst 1993 nach Namibia aus — was hat er in der Zwischenzeit gemacht? Die Kausalität zwischen der Bedrohung durch die RAF und der Auswanderung Stubergers wirkt arg konstruiert — wie leider auch der Inhalt der Buches.
Das Buch besteht vornehmlich daraus, systematisch überholte Platitüden über deutschsprachige Namibier zu wiederholen. Beispiel gefällig?  
Im Männerturnverein in Swakopmund entdeckt er ein Hitlerbild und die dazugehörigen Unverbesserlichen. (BNN 05.07.08)

Weiter geht’s:

Was weiße Farmer von ihren Mitarbeitern halten, zeigt sich auch darin, dass die schwarzen Helfer bei staubigen Überlandfahrten allenfalls auf der offenen Wagenpritsche Platz nehmen dürfen, während der Farmershund im klimatisierten Führerhaus neben dem Fahrer sitzt. Es sind vor allem auch diese kleinen Alltagsszenen, die Stubergers sehr persönliches Buch lesenswert machen – nicht zuletzt als Ergänzung und Korrektiv zu den oftmals oberflächlichen Darstellungen der gängigen Reiseführer. (Aachener Nachrichten, 28.07.2008)

Ulf G. Stuberger, Esel, Cover des BuchesDer Punkt der Argumentationsketten Stubergers ist, dass nicht seine Unerfahrenheit der Grund für sein Scheitern war, nein, noch nicht einmal die Tatsache, dass er Esel züchten wollte, Donkeys, ja wirklich! Nein, die deutschsprachigen Namibier hätten ihn boykottiert, behauptet er, das hätte ihn erledigt. Als zivilisierter Mitteleuropäer hätte er angefangen, im Gegensatz zu den rassistischen Namibia-Deutschen, die Lebens-und Arbeitsbedingungen seiner schwarzen Mitarbeiter zu verbessern, nebenbei eine Einheimische zu heiraten, doch das machte ihn quasi automatisch zum “Nestbeschmutzer”. 

Mit seinem Projekt, seinen Arbeitern menschenwürdige Unterkünfte zu errichten, faire Löhne zu zahlen, Wissen zu vermitteln und Verantwortung zu übergeben, ist er gescheitert. Das Wasser auf seinem gepachteten Farmgelände war plötzlich nicht mehr genießbar, den Grund hat er nicht herausfinden können. Stuberger hat offenbar die Regeln einer verschworenen deutschtümelnden Gemeinschaft verletzt, die auch 18 Jahre nach der Unabhängigkeit Namibias nicht gewillt ist, etwas von ihrem Einfluss abzugeben. (Aachener Nachrichten, 28.07.2008)

18 Jahre nach der Unabhängigkeit alle Deutschen wieder in die Herrenmenschen-Ecke drängen zu wollen, das ist ewiggestrig! In seinem Sammelsorium aus Halbwahrheiten und Anekdoten über die ewiggestrige Haltung einiger deutschen Farmer, die für die Gesamtheit der deutschsprachigen Namibier gelten sollen, schreckt Stuberger selbst von vor Lügen nicht zurück: 

Hansen [Pseudonym des Farmers, von dem Stuberger seine Farm gepachtet hat] hat einen runden Geburtstag gefeiert, und ich richtete die Feierlichkeiten als Koch in meiner Lodge für die Gäste aus. Als sie etwas getrunken hatten, haben sie unter sich schon zugegeben: Wir wissen, dass unsere Vorfahren das Land gestohlen haben und dass wir es zurückgeben müssen. Keiner ist jedoch bereit, die Konsequenzen zu ziehen. (BNN 05.07.08)

Es gibt (zu) viele deutsche Farmer, deren politische Ansichten tatsächlich in der Apartheid stecken geblieben sind, aber es gibt keinen Einzigen, der sagen würde, seine Vorfahren hätten das Land der Hereros gestohlen! Ob diese Meinung falsch oder richtig ist, diese Diskussion ersparen wir uns lieber an diese Stelle, aber dass gerade jemand aus der rechten Ecke der Namibia-Deutschen so etwas auch nur denken würde, ist einfach gelogen! 

Ulf G. Stuberger, Ich war ein weißer Farmer in Afrika, Cover des Buches

Und es bleibt auch ohne diese Übertreibung dabei, dass wenn Herr Stuberger durch Ostdeutschland touren, ein paar Neonazis interviewen und diese dann im Ausland als typische Deutsche darstellen würde, dies der Vorgehensweise in seinem Buch entspräche.  Aber Herr Stuberger findet natürlich sein Publikum. Und er wird ziemlich krude. Zitat aus seinem Buch:
Die deutschstämmigen Nachfahren der Kolonisten versuchten erfolglos, mit heftiger Propaganda die Mehrheit zu unterdrücken und die Gleichstellung der Kulturen zu verhindern [vor und während der Unabhängigkeit]. Die deutsche »Herrenrasse« sollte weiterhin auch die Kultur Namibias bestimmen. Ihr Scheitern hat dazu geführt, dass sich deutsche Zirkel gebildet haben, die zusätzlich durch ein rigoroses Kastenwesen gettoisiert werden. Ich habe viele Jahre in Namibia verbracht, davon fast fünf als Farmer und ohne zusätzlichen Wohnsitz in Europa. Allein aufgrund meiner Hautfarbe und der nationalen Abstammung bin ich in die niedrigste Kaste der deutschstämmigen Namibier aufgenommen worden. Und das bedeutet dort sehr viel! Den Verlockungen der Macht bin ich zunächst fast erlegen. Ich habe mich als Neuling den Verhaltensweisen meiner Blutsbrüder kumpelhaft angepasst, bin ihren Ratschlägen und Hinweisen unkritisch gefolgt.

Deutsche Zirkel, die zusätzlich durch ein rigoroses Kastenwesen gettoisiert werden — wovon sprich der Mann? Weiter geht’s:

Nach etwa einem Jahr erkannte ich hinter dem Schleier des kolonialistischen Luxus, mit dem auch ich mich umgeben hatte, meine Menschlichkeit wieder. Als ich damit begann, erste kleine Selbstverständlichkeiten respektvollen Miteinanders vorsichtig umzusetzen und mich sehr zurückhaltend in kleinen Schritten den Maßstäben meiner deutschen Kultur wieder anzupassen, die ich im Nachkriegsdeutschland gelernt hatte, regte sich sofort Widerstand bei den zum Teil verbitterten Abkömmlingen deutscher Kolonialfamilien. Der erreichte einen Punkt, an dem ich aufgab. Ich kehrte nach Deutschland zurück.

Dieses Buch soll keine Abrechnung sein. Alle Schilderungen geben Tatsachen wieder. Die Namen von Menschen und Orten habe ich geändert, was den Realitätsgehalt der Darstellung nicht mindert, denn die betreffenden weißen Personen sind als Individuen unwichtig. Ihr Verhalten ist symbolisch für das der meisten anderen ihrer Kaste. Die Namen von schwarzen Menschen habe ich verändert, um ihnen Nachteile zu ersparen, die ihnen drohen würden, wenn ihre Identität bekannt würde. Gelegentlich habe ich zwei oder mehrere Ereignisse in einer Schilderung zusammengeführt, ohne den Gehalt zu verfälschen. 

Gut, ja ja, Ereignisse zusammengeführt, ist gut, so einen Mann kann man wohl nicht aufhalten. Zurück in Deutschland hat er eine Stiftung gegründet, “Bildung für Namibia e.V.“. Hier ein Auszug aus den Motiven für die Gründung des Vereins: 

Die Folgen der Kolonialzeit und der späteren Besatzung durch das rassistische Regime Südafrikas mit seinen Apartheid-Gesetzen sind auch heute noch für junge Menschen in Namibia existentiell prägend. Ich musste leider selbst erleben, dass die meisten Namibier auch heute noch regelrecht Angst vor weißen Menschen haben. Das gilt besonders für die Angehörigen der absoluten Mehrheitsbevölkerung, die Wambo. Ihr angestammtes Wohngebiet, das Owambo (von den Kolonisten als “Owamboland” eingerichtetes “Reservat”) nördlich des weltweit bekannten Naturschutzparks Etosha, wird immer noch von den Nachfahren der deutschen Kolonisten gemieden. Man versucht zum Beispiel, dieser Region Einnahmen aus dem Tourismus vorzuenthalten (dieTouristikbranche in Namibia ist zu etwa 90 % in „deutscher Hand“). Ursache ist: Die Wambo waren es, die erfolgreich mit Unterstützung der UNO für die Unabhängigkeit des Staates gegen Besatzung und Kolonisierung gekämpft haben. Das haben ihnen die Nachfahren der deutschen Kolonisten nie verziehen.

Ist klar, wie kann man die Touristen bloß nach Sossusvlei anstatt nach Oshakati karren? Verbrecher, die Deutschen in Namibia!

Ich möchte gerne einen kleinen Teil dazu beitragen, dass vor allem die jungen Menschen im Owambo ihre Angst gegenüber Weißen, vor allem uns Deutschen, verlieren. Dazu ist es notwendig, ihnen zu zeigen, dass Deutsche anders sind als die Nachfahren der Kolonisten in Namibia, die immer noch den größten Teil des fruchtbaren Farmlandes besitzen und ihre wirtschaftliche Macht für sich ausnutzen, die schwarzen Menschen wie unmündige Kinder behandeln und in ihrem System der Lohnsklaverei gefangen halten. Ich möchte dazu beitragen, dass die jungen Menschen im Owambo lernen: Deutschland ist anders, das Bild, welches die Nachfahren der Kolonisten durch ihre Verhalten vermitteln, hat mit Deutschland nichts zu tun.

Es sollte auch eine Stiftung gegründet werden, jungen Deutschen aus Namibia die Angst gegenüber gewissen “intellektuellen” Bundesdeutschen und ihren Pauschalurteilen zu nehmen! 
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