Die Apartheid revisited — schwarz oder gelb, nur nicht weiß
Ein Gericht in Südafrika hat im Juli diesen Jahres entschieden, dass die Chinesen in Südafrika als “Schwarze” reklassifiziert werden müssen, teilweise jedenfalls. Der Begriff „Schwarze“ umfasst schwarze Afrikaner, Inder und andere, die Opfer von Diskriminierungen unter der Apartheid wurden. Als Folge dieses Urteils des Landgerichtes in Pretoria können nun ethnisch chinesische Bürger auch Anspruch auf Teilnahme an “Affirmative Action”-Maßnahmen der Regierung zur Entflechtung der Auswirkungen der Apartheid erheben.
Im Jahre 2006 hat die „Chinese Association of South Africa“ die Regierung verklagt und behauptete, dass gegen ihre Mitglieder diskriminiert würde, weil sie wie Weiße behandelt würden und sie sich damit nicht für die vielen wirtschaftlichen Vorgänge qualifizieren könnten, die ausschließlich für die Opfer der Apartheid reserviert seien.
Dazu zählt das staatliche “Black Economic Empowerment”-Programm (BEE), welches festlegt, dass schwarze Arbeitnehmer zum Beispiel bei der Einstellung und ebenso schwarze Unternehmer bei der Vergabe öffentlicher Aufträge bevorzugt werden müssen. Der Verein argumentierte erfolgreich, dass während sich für Schwarze mit dem Ende des Apartheidsregimes neue Chancen eröffnet hätten, die Chinesen ein zweites Mal diskriminiert worden seien. Die Chinesen aber seien während der Apartheid eine unterdrückte Gruppe unter anderen gewesen sei und hätten deshalb genauso wie Schwarze ein Anrecht auf Wiedergutmachung.
Dies ist nicht das erste Mal, dass sich die Klassifizierung der Chinesen in Südafrika verändert hat. Die erste bedeutende Gruppe von Chinesen kam Anfang des 20. Jahrhunderts zur Arbeit in den Goldminen nach Südafrika, noch bevor das formale System der Apartheid existierte. Ihre dauerhafte Niederlassung wurde jedoch nicht gefördert und bis 1910 waren fast alle Arbeiter der Minen in ihre Heimat zurückgekehrt. Diejenigen, die blieben, kämpften mit Rassismus und lebten in getrennten Gemeinden auf der Grundlage von Sprache, Kultur und sozio-ökonomischen Status. Eine zweite Einwanderungswelle setzte in den 1920er-Jahren ein, als sich chinesische Händler als Kleinhändler in den größeren Städten ansiedelten.
Als in den späten 1940er-Jahren mit dem Aufstieg der Boeren-Regierung die Apartheid gesetzlich geregelt wurde, wurden die Chinesen als “farbig” eingestuft und mussten deshalb getrennt von den Weißen leben, hatten kein Wahlrecht und wie die Schwarzen nur Zweite-Klasse Bildungsmöglichkeiten.
Aber als Südafrika dann in den 1970er-Jahren eine Wirtschafts-Allianz mit Taiwan einging, wurden Einwanderer aus Taiwan als “Ehren-Weiße” begrüßt und die anderen Chinesen in Südafrika wurden allmählich auch eher wie Weiße behandelt. Obwohl sie nie den formellen “Ehren-Weißen”-Status der Taiwaner, der Koreaner und der Japaner in Südafrika erhielten, so wurden für sie doch in den frühen 1980er-Jahren die Beschränkungen der Petty-Apartheid (getrennte Parkbänke, Klos und anderer Kleinscheiß) aufgehoben.
Nach dem Ende der Apartheid in den frühen 1990er-Jahren blieb der rechtliche Status der Chinesen eine Grauzone, aber im allgemeinen wurden sie doch den Weißen zugeordnet. Das hat das Gericht jetzt neu geregelt.
Schwarze Interessenverbände waren von dem Urteil schockiert. Schließlich hätten nur Schwarze den Widerstand gegen die Apartheid unterstützt. Hintergrund des Streits sind wie auch andernorts auf dem Kontinent Spannungen zwischen schwarzen Einheimischen und chinesischen Geschäftsleuten, die sich in Südafrika und Afrika im allgemeinen in den letzten Jahren zu Tausenden niedergelassen haben. Es gibt nicht weniger als 300.000 Chinesen im Süden Afrikas. In Namibia gibt es inzwischen mehr Chinesen als Deutsche.
Aber der Clou an der ganzen Sache ist, dass die neue Gerichtsentscheidung sich nur auf die Chinesen und deren Nachkommen bezieht, die auch vor 1994 Bürger Südafrikas waren –- und das sind nur 10 bis 12.000! Es wäre auch zu absurd, wenn die neuen Chinesen, die aus ihrer vermeintlichen Überlegenheit über die Schwarzen und auch den Weißen im Lande keinen Hehl machen, auch noch gefördert würden. Es ist wohl nicht übertrieben zu behaupten, dass die meisten Chinesen in Afrika Rassisten auf einer Stufe mit den Hardcore-Boeren vergangener Tage sind.
Ach, wann hört diese Einteilungsmanie endlich auf. Und diese Überlegenheitsdünkel jeglicher Couleur.







Do, Sep 11, 2008
Dossier Apartheid