Ehemaliger UNO-Sondervertreter für Namibia erhält Friedensnobelpreis
Fr, Okt 10, 2008
Dossier Apartheid, Gesellschaft, Politik
Der Friedensnobelpreis geht in diesem Jahr an den in Namibia sehr bekannten, früheren finnischen Präsidenten Martti Ahtisaari. Der 71-Jährige wird für seine jahrelangen Vermittlungen zur Lösung internationaler Konflikte und sein Eintreten für dauerhaften Frieden auf der Welt geehrt, so das norwegische Komitee.  Martti Ahtisaari gilt weltweit als einer der erfahrensten Diplomaten mit zahlreichen Vermittlereinsätzen auf der Weltbühne. Für den berühmtesten Preis der Welt aus Oslo wurde er seit mehreren Jahren zum engsten Favoritenkreis gerechnet.Â
Allein für seine Rolle in Namibia hat er den Preis schon verdient, denn ohne ihn wäre die Unabhängigkeit wohl nie Wirklichkeit geworden. Er war von 1977 bis 1981 sowie Ende der 80er Jahre der UNO-Sondervertreter für Namibia. In dieser Rolle kam Ahtisaari am 31.03.1989 in Windhoek an, um zusammen mit dem südafrikanischen Generaladministrator, Louis Pienaar, die Übergangsregierung zu übernehmen, welche die Durchführung der UN-Resolution 435 und freie Wahlen für die Verfassungsgebende Versammlung unter Aufsicht der Vereinten Nationen organisieren sollte.
Viele Weiße verstanden den Einmarsch der UN unter Ahtisaari als Sieg einer kommunistischen Weltverschwörung und Ahtisaari war unter den meisten deutschsprachigen Namibiern sicherlich noch unbeliebter als der damalige deutsche Außenminister Genscher.  Doch Arthisaari sollte ungewollt seine Unabhängigkeit und Integrität schnell unter Beweis stellen können.Â
Keine 24 Stunden nach seiner Ankunft in Namibia hatte er unter immensem Zeitdruck eine folgenreiche Entscheidung zu treffen. Der zum 1. April vereinbarte Waffenstillstand zwischen der SWAPO und den südafrikanischen Streitkräften wurde durch den Einmarsch von SWAPO-Kämpfern nach Namibia erschüttert. Trotz aller Zweifel stimmte Artisaari zu, dass drei südafrikanische Bataillone den Einmarsch der SWAPO-Truppen stoppen sollten.
Auch wenn damals viele Beobachter den südafrikanischen Militärs brutale Exzesse in dieser Krise vorwarfen, und Theo-Ben Gurirab, SWAPOs Vertreter bei den Vereinten Nationen, Martti Ahtisaari beschuldigte, die Hände der Vereinten Nationen mit namibischem Blut befleckt zu haben, so gibt es aus heutiger Sicht keine Zweifel, dass dieser mutige Entschluss Arthisaaris den Unabhängigkeitsprozess gerettet und damit die Unabhängigkeit Namibias überhaupt ermöglicht hatte.

Martti Ahtisaari und der SA Generaladministrator, Louis Pienaar auf der Pressekonferenz am 31. März 1989, von Klaus Dierks
Verwandte Posts:
- Die namibische Geschichte durch den ersten deutsche Vize-Minister Afrikas: Auszug aus der Chronologie der namibischen Geschichte von Klaus Dierks über das Jahr 1989







Dass es den alten (und fetten) Klops überhaupt noch gibt! Aber Deine Analyse zu seiner Rolle 1989 stimmt wohl.