Tierschützer aufgepasst: Menschen nicht mit Tieren gleichsetzen
Henryk M. Broder, Reporter beim Spiegel, Kolumnist bei der Weltwoche und Mitglied der Achse des Guten, kommentiert nachträglich die kontrovers diskutierte „Holocaust auf Ihrem Teller“-Kampagne der PETA-Deutschland in einem Interview auf Telepolis zum im Februar erscheinenden Buch “Skandal! Die Macht öffentlicher Empörung.“:
Sprachlos bin ich fast nie. Nur einmal: Die Tierschutzorganisation PETA hatte in einer ihrer Anzeigenkampagnen Hühner in Käfigen neben Menschen im KZ abgebildet. Ich habe damals den Auftrag bekommen, einen Essay über die Kampagne zu schreiben, doch ich konnte einfach nicht. Ich war noch nicht einmal in der Lage, etwas dazu sagen. Das Bild hat mich stumm gemacht. Viele haben “Antisemitismus” gerufen, nachdem sie das Foto gesehen hatten – ich nicht.
Ich dachte nur: Man kann doch nicht um jeden Preis die größte zur Verfügung stehende Keule herausholen. Auschwitz darf kein Maßstab sein. Die Kampagne war so schrecklich, dass ich gar nichts damit zu tun haben wollte, ich wollte noch nicht einmal dagegen sein – und ich wollte es auch nicht begründen müssen. Denn eine fortschrittliche Gesellschaft zeichnet sich nicht dadurch aus, dass man über alles reden kann, sondern dass es Grundsätze gibt, die außerhalb jeglicher Diskussion stehen. Man darf Frauen nicht vergewaltigen, Kinder nicht schlagen, Homosexuelle nicht verfolgen und Menschen nicht mit Tieren gleichsetzen. Sobald ich anfange, solche Selbstverständlichkeiten argumentativ zu begründen, legitimiere ich inhumane Positionen.
Ich wollte noch nicht einmal dagegen sein. Spot on!








Mo, Feb 16, 2009
Dossier Deutsche Medien, Politik