Die Damara: Nach dem Farmer-Frühstück mit Eiern, Speck, Bohnen und Wurst geht’s durch die Savanne
- Die Little Five der namibischen Wüste
11.12.2006: Von Katharina Büttel
© Berliner Zeitung
Die Stille auf dem Grootberg-Plateau ist magisch, unendlich weit reicht der Blick ins Clip River Valley mit Tafelbergen rechts und links. Im Licht der Morgensonne schimmern die Hänge mal rötlich, mal gelb, mal ockerfarben, mal weiß wie Schnee. Das Schauspiel ist so überwältigend, dass selbst der weitgereisten Gruppe sekundenlang der Atem stockt, bis Crosley in die Stille hineinruft: “Nach dem Farmer-Frühstück mit Eiern, Speck, Bohnen und Wurst geht’s durch die Savanne hinunter zum Clip River – gut zwei Stunden, ganz gemütlich. Bitte feste Schuhe, einen Schal um Kopf und Kragen – die Pfade sind steinig, die Sonne brennt gnadenlos.”
Wir sind im Damara-Land auf 1 700 Meter. Einer Gegend, die sich um den Brandberg, mit 2 573 Metern Namibias höchster Berg, bis zum Huab-Fluss windet und westlich der Skelett-Küste liegt. Wer hier unterwegs ist, braucht beides: ein zuverlässiges Fahrzeug und einen ortskundigen Führer. Harald Rust, 38 Jahre, ein Namibier deutscher Abstammung ist so einer. Er fährt uns durch dieses stille, weite, menschenleere Land. Er bringt uns bei, dass es hier viel mehr zu bewundern gibt als nur die flammenden Farben der gezackten Erongo-Berge im Abendlicht. Harald weiß genau, hinter welchen Geröllhaufen am Rand der Wüstenpiste eins der seltenen Büschel der so genannten “lebenden Steine” wächst und wo eine “Welwitschia mirabilis” zu finden ist – diese merkwürdig urtümliche Pflanze, die mit dem bisschen Feuchtigkeit des Nebels auskommt, der morgens vom Atlantik her die Wüste in milchiges Grau taucht.
Die Damaras sind eine der ältesten Ethnie Namibias. Noch leben sie in intakten Dorfgemeinschaften, haben aber kaum Chancen auf Arbeit, und die Aussichten auf Besserung sind gering. Wäre da nicht das Pilotprojekt “Grootberg Lodge”. Die Regierung hat erkannt, dass umweltfreundlicher Tourismus erfolgreich ist und nicht nur der Tierwelt hilft. Er schafft neue Arbeitsplätze, die Einheimischen bleiben in vertrauter Umgebung, der Verdienst hilft ihren Familien. So konnte letztes Jahr mit EU-Mitteln, dem Geld privater Förderer und Eigenkapital der heutigen Gastgeber Dominic aus Südafrika und SimonettaÖko-Lodge mit elf schmucken Chalets auf dem Plateau gebaut werden; sieben weitere im Land sollen folgen. Männer und Frauen der Region halfen beim Bau, einige von ihnen wurden zum Führer, Koch, Fahrer oder Kellner ausgebildet. “Wir sind stolz auf unseren Job. Sobald ich genug Geld gespart habe, kann ich endlich heiraten”, sagt Crosley. Sein Kollege Oturiel nickt zustimmend: “Manche im Dorf sind schon richtig eifersüchtig auf uns.” Mit den ersten Erträgen wurden bereits Schulen renoviert und Bücher gekauft. In spätestens zehn Jahren, so das Ziel, sollen die DamarasLodge eigenverantwortlich managen. Dominic ist zuversichtlich, dass sie das Schritt für Schritt erreichen. Auch der Chairman der Kommune ist sicher: “Das ist der Afrika-Tourismus der Zukunft”.
War es ein guter Tag, singen die Angestellten in der Küche, tanzen mit den Gästen in der Lounge, erzählen Geschichten von ihrer Stammeskultur. Die Lodge selbst wird so schonend wie möglich betrieben. Das Design ist erlesen und einladend. Essen und Gespräche gibt es meistens auf der Terrasse unter freiem Himmel mit Ausguck auf die Wasserstelle. Dort treffen sich Oryxe, Kudus, Antilopen und Zebras. In der Regenzeit kommt auch schon mal ein Wüstenelefant auf’s Plateau geschaukelt. Auf die Frage, ob er sich an der Landschaft schon satt gesehen habe, schüttelt Dominic lachend den Kopf: “Nein, das ist eine never ending love”.
Treffpunkt Lounge. Bei einem burischen Curry, dem Boboti, und einem süffigen Rock-Shandy – so rot wie die Erde Afrikas – werden Erlebnisse der letzten Tage noch einmal lebendig: Als Chris in den Sanddünen zwischen Walvis Bay und Swakopmund nicht die “Big Five”, sondern die putzigen “Little Five” suchte und sie uns mit Witz und Charme erklärte: den Käfer Tok-Tokki, der Handstand macht; White Lady, die tanzende Spinne; das kecke Wüsten-Chamäleon; die raffinierte Sidewinder-Schlange und den bunten Gecko. Und wie wir anschließend wie die Kinder die Dünen herunterrutschten. Über die Salzpiste von Swakop zur größten Robbenkolonie der Welt am Cape Cross bei Meile 108 waren wir gefahren. Auf den Felsen am tosenden Atlantik ging es eng und keineswegs nur friedlich zu. An die hunderttausend Robben stritten, kämpften, verbissen sich ineinander, schubsten ihre Babys aus dem Weg. Und abends dann das Candlelight-Dinner in der einsamen Lodge am Meer unter einer Million glitzernder Sterne – das gehört wohl zum Schönsten, was Namibia zu bieten hat. Den größten Schiffsfriedhof der Welt haben wir an der Skelett-Küste, so heißt der 500 Kilometer lange Wüstenstreifen Richtung Angola, bestaunt. Etwa 400 Schiffswracks liegen hier im Meer. Weiße Schaumkronen lecken am braunen Sand, dahinter türmen sich goldschimmernde Sandberge.
Am nächsten Tag erwartet uns Alf aus Sachsen auf der Frans Indingo Lodge nahe der Etosha-Pfanne. Einen Sundowner, den traditionellen Drink zum Sonnenuntergang, und ein üppiges Dinner am prasselnden Lagerfeuer hat er versprochen …
aus Rom die erste Edel- die







Mi, Mai 9, 2007
Dossier Gesellschaft, Tourismus