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Wenn der Südwester sein Auto unter den Arm klemmt

Mo, Jul 30, 2007

Dossier Deutsche Medien, Tourismus

Und mit der linken Hand das Steuer hält. Und wenn er allzu doof ist, auf dem rechten Unterarm, den er lässig aus dem heruntergekurbelten Seitenfenster lehnt, einen riesigen Sonnenbrand bekommt. Ja dann, dann fährt er mit seinem Four-By-Four auf Pad. Und die Gerries kapieren plötzlich, warum ein Südwester so laut singen kann, er liebe Südwest. Und der Bericht unten, den müsst ihr unbedingt lesen, wunderbar und Kompliment an den Redakteur.

Auf den Spuren der Südwester

- Spiegel-Online, Autowandern in Namibia
- von Tom Grünweg
- in der Rubrik >
Nachrichten > Auto > Fahrkultur > Wo Fahren Spaß macht

Namibia war 30 Jahre lang deutsche Kolonie, auch fast ein Jahrhundert später ist das wilhelminische Erbe noch sichtbar. Vom Auto aus wirkt das Land wie “Afrika light”: Man sieht Nashörner im Busch, durchquert die Wüste – und isst Schnitzel im “Deutschen Haus”.

Das Erlebnis beginnt bereits kurz hinter dem Flughafen: Denn auch wenn das deutsche Erbe allerorten präsent ist, der Kiosk die “Allgemeine Zeitung” führt und es sogar ein kleines Stück beinahe deutscher Autobahn gibt, werden aus den befestigten Straßen schnell staubige Schotterpisten.

Dabei reibt man sich spätestens in Swakobmund die Augen: Nein, das Seebad liegt nicht auf Rügen und nicht auf Sylt – auch wenn der Metzger Thüringer Bratwürste und Bayrischen Leberkäse anbietet, am Wochenende zum Reibekuchen-Wettessen eingeladen wird, gegenüber die “Villa Wiese” mit günstigen Übernachtungen wirbt und man an der Hauptstraße das “Alte Amtsgericht” entdeckt.

Am Tag darauf zweigt die Route nach 80 Kilometern vom Strand ab und führt über eine steinige Hochebene vorbei an der Spitzkoppe, dem “Matterhorn Afrikas” und vielen anderen eindrucksvollen Bergen wieder ins Landesinnere führt: Wer jetzt mutig genug ist und das richtige Auto hat, kann einmal mehr von der ohnehin kaum erkennbaren Straße abbiegen und mitten in ein Flussbett einschwenken. Gut, dass das Wasser hier 30 Meter unter der Erde fließt. Doch hinterlässt der bisweilen ziemlich enge Canyon des Omaruru-Rivers trotzdem mächtigen Eindruck. Und der tiefe Sand wird zu einer echten Herausforderung, die man nur mit fast luftleeren Reifen besteht.

40 Kilometer später geht es wieder heraus aus dem Canyon, die Reifen werden wieder aufgepumpt, und der Weg führt in das faszinierende Erongo-Gebirge, in dem der Wind die roten Steine so rund geschliffen hat, als würden die Götter hier mit haushohen Kugeln Billard spielen. Wer hier die richtige Lodge auswählt, der kommt auf erschlungenen Pfaden mit dem eigenen Wagen und ein bisschen Abenteuerlust auch auf eben jene Bergspitzen, von denen man beim Sonnenuntergang mehr Afrika sieht, als man sich je hat träumen lassen. Dass es von dort nur noch zweieinhalb Stunden sind zurück nach Windhoek, zurück auf eine feste Straße und
zurück in die Zivilisation, das mag man kaum glauben.

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